Skip to main content

Full text of "Schoerner Die Deutschen Mandeville Versionen"

See other formats


Google 


Über dieses Buch 


Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 


Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun Öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 


Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei — eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 


Nutzungsrichtlinien 


Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nichtsdestotrotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 


Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 


+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 


+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern dıe Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 


+ Beibehaltung von Google-Markenelementen Das "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 


+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sıe sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 


Über Google Buchsuche 


Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser Welt zu entdecken, und unterstützt Autoren und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen. 


Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter|http: //books.google.comldurchsuchen. 


ihn 


. 
® 
“ 


era r 


f 


DIE 


DEUTSCHEN MANDEVILLE-VERSIONEN 


HANDSCHRIFTLICHE UNTERSUCHUNGEN 
voN 


ARTHUR SCHOERNER 


LIC. PHIL. 


INAUGURALDISSERTATION 


ZUR ERLANGUNG DER DOKTORWÜRDE, MIT GENEHMIGUNG DER HUMANISTISCHEN 
SEKTION DER PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT ZU LUND, SONNABEND, 
DEN 14. MAI 1927, UM 10 UHR VORMITTAGS IM HÖRSAAL A, 

IN DEUTSCHER SPRACHE ZU VERTEIDIGEN 


LUND 
HÄKAN OHLSSONS BUCHDRUCKEREI 
1927 


Digitized by Google 


DIE 


DEUTSCHEN MANDEVILLE-VERSIONEN 


HANDSCHRIFTLICHE UNTERSUCHUNGEN 


AKADEMISCHE ABHANDLUNG 


VON 


ARTHUR SCHOERNER 


LUND 
HÄKAN OHLSSONS BUCHDRUCKEREI 
1927 


Digitized by Google 


VORWORT. 


Trotz des überaus reichen Materials oder vielleicht ge- 
rade wegen der Fülle von handschriftlicher Ueberlieferung 
ermangelt es immer noch an einer kritischen Ausgabe der 
deutschen Mandeville-Versionen. Die vorliegende Unter- 
suchung hatte ich mir ursprünglich als Einleitung zu einer 
solchen Ausgabe gedacht. Im Laufe meiner Arbeit bin ich 
indessen auf unvorhergesehene Schwierigkeiten verschie- 
dener Art gestossen, die eine Verzögerung der von mir ge- 
planten Edition herbeigeführt haben. Meine Untersuchung 
begrenzt sich deshalb darauf, eine Vorarbeit zu einer, wie 
ich hoffe, in den nächsten Jahren erscheinenden Ausgabe 
zu sein. 

Es ist mir eine angenehme Pflicht, hier allen denen zu 
danken, die in irgend einer Weise meine Arbeit gefördert 
haben. Für die leihweise Ueberlassung von Handschriften, 
Beantwortung auf Anfragen oder das Herstellen von Photo- 
graphien bin ich zu Dank verpflichtet: den Bibliotheken in 
Bamberg, Basel, Berlin, Breslau, Donaueschingen, Dresden, 
Giessen, Gotha, Göttingen, Halle, Hamburg, Heidelberg, 
Karlsruhe, Klosterneuburg, Leningrad, London, Lübeck, 
Lüneburg, Magdeburg, Maihingen, München, Nürnberg, 
Prag, Salzburg, St. Gallen, St. Paul in Kärnten, Schlettstadt, 
Soest, Strassburg, Tambach, Trier, Warschau, Wernigerode, 
Wien, Wiesbaden, Wolfenbüttel und Würzburg. Die Herren 
Direktoren der Handschriften-Abteilungen: in Berlin Dr. H. 


4 


Degering, in München Dr. A. Hartmann und in Stockholm 
Dr. O. Wieselgren haben mich in der liebenswürdigsten 
Weise unterstützt. 

Meinem verehrten Lehrer, Herrn Prof. Ernst A. Kock, 
der mir ermunternd beigestanden hat, spreche ich meinen 
tiefempfundenen Dank aus. 

Lidingö, im April 1927. 

Arthur Schoerner. 


Einleitung. 


Von den mittelalterlichen Reisebeschreibungen ist keine 
so ausserordentlich beliebt gewesen wıe Mandevilles Reise. 
Die seltsamsten und abenteuerlichsten Erlebnisse in einem 
Rahmen von bestechender Sachkenntnis und Zuverlässigkeit 
— das Ganze gewürzt durch obszöne Einzelheiten — machten 
das Werk zum Abenteuerroman par excellence des Mittel- 
alters. 

Ein halbes Jahrtausend wurde die Reise allgemein als ein 
glaubwürdiger, unterhaltender Führer vom westlichen 
Europa nach dem heiligen Lande und weiter gen Osten ge- 
schätzt, bis schliesslich die wissenschaftliche Kritik fest- 
stellte, dass man es mit einem Stoppelwerk zu tun habe, ver- 
mengt mit den eigenen Phantasien des Kompilators. Noch 
ım 19. Jahrhundert wurde so fest an die Echtheit der Mande- 
villeschen Reisebeschreibung geglaubt, dass z. B. Görres, der 
die Art und Weise nicht hart genug brandmarken kann, wie 
der deutsche Uebersetzer Otto von Diemeringen mit seinem 
Material umgeht, die Anklage bestimmt zurückweist, die 
gegen Mandeville erhoben worden war, nämlich dass er der 
grösste Lügner und Aufschneider unter allen Reisenden sei 
(Die Teutschen Volksbücher, Heidelberg 1807, S. 62 fl.). 
Selbst am Ende des 19. Jahrhunderts hat Mandeville Ver- 
teidiger und Bewunderer gefunden. In der Revue des Deux 
Mondes (Nov. u. Dez. 1889) widmet ihm M. Emile Montegut 
in vollem Ernst eine kritische Studie: I. L’Homme et le con- 
teur, II. Le Philosophe. 


6 


Es ıst das Verdienst von Schönborn, Bormans, Yule, 
Nicholson, Vogels u. a., den Weg zu einer richtigeren Be- 
urteilung der Reise angebahnt zu haben; aufgeklärt wurde 
der Sachverhalt ım grossen und ganzen durch Bovenschens ' 
und Warners” verdienstvolle Untersuchungen. Einer ein- 
zıgen Partie der Reisebeschreibung schenken diese beiden 
Gelehrten Glauben: den Schilderungen vom ägyptischen 
Hofe, aber nıcht einmal diese sind wahrheitsgemäss, obwohl 
man ihnen vielleicht einen gewissen Wahrscheinlichkeitsgrad 
nicht absprechen kann. Es ist dieses fast die einzige Stelle 
ım ganzen Werke, die auf wirklich Erlebtes deutet. Dass 
der Sultan dem Weltbummler die Hand einer mohamme- 
danischen Prinzessin angeboten hätte, muss indessen, wie 
Hamelius® (II: 38) hervorhebt, reine Erfindung sein. 
Obendrein war die Geschichte schon vor Mandevilles Zeit 
ein beliebtes Thema in den Ritterromanen. 

Der Stoff der Reisebeschreibung ist aus den Werken ver- 
schiedener Schriftsteller des 13. und 14. Jahrhunderts zu- 
sammengebracht; vor allem sind zu nennen: Wilhelm von 
Boldensele, Wilhelm von Tripolis, Oderich von Pordenone, 
Vincenz von Beauvais, Haiton und Jacob von Vitry. Bald 
schreibt der Kompilator seine Quelle direkt ab, bald ver- 
fälscht oder vermischt er das Gelesene. Er behauptet, ein 
landesflüchtiger englischer Edelmann zu sein, der in Lüttich, 
von Krankheit befallen, die Beschreibung seiner Reisen und 
Erlebnisse aufgezeichnet hätte. Erst gegen Ende des 19. 
Jahrhunderts wird der Glaube an die Angaben des Kom- 
pilators über seine eigene Person erschüttert, als E. B. 
Nicholson 1884 in einem Briefe an die Zeitschrift The Aca- 


ı Untersuchungen über Johann von Mandeville und die Quellen seiner 
Reisebeschreibung (Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde. Berlin 1888). 

? G. Warner, The Buke of John Maundeuill (Roxburghe Club, 1889). 

® P. Hamelius, Mandevilles Travels. Vol. I: Text. London 1919. 
Vol. H: Introduction and notes. London 1923. 


Fe Se gen : er Bye en. 


7 


demy ' seine Ueberzeugung ausspricht, dass der Name Mande- 
ville ein Pseudonym sei. Der wirkliche Verfasser sei viel- 
mehr der »Professor der Medizin» zu Lüttich, Jean de Bour- 
gogne, genannt »mit dem Barte». Die Frage nach Mande- 
villes Person wird dann von Warner in der Einleitung zu 
seiner Mandeville-Edition ausführlich erörtert. Das Ergeb- 
nis seiner Untersuchung ist (p. XL), dass Jean de Bour- 
gogne zweifelsohne der Verfasser ist, dass aber Jean d’Outre- 
meuse, der an Mandevilles Todesbette zugegen gewesen sein 
will, über die Entstehung der Reisebeschreibung mehr weiss, 
als er zugesteht. Henry Cordier ” geht einen Schritt weiter: 
die Reise sei entweder von d’Outremeuse oder Jean de Bour- 
gogne geschrieben. Hamelius schliesslich glaubt nicht an die 
fiktive Person Jean de Bourgognes, sondern klagt einzig und 
allein d’Outremeuse an. 

‚Jean d’Outremeuse (1338—1400) oder, wie er sich einige: 
Male nennt, Johans des Preis dis Oultremeuse, ohne auf den 
Familiennamen de Pre irgend ein Recht zu haben *, hat 
wiederholt den Forschern Rätsel zu raten gegeben. Als der 
allwissende Schilderer der Geschichte Lüttichs gibt er in 
seiner Weltchronik Ly Myreur des Histors eine eingehende 
Darstellung der Schicksale der Stadt Lüttich bis über die 
Mitte des 14. Jahrhunderts hinaus, weshalb er sogar »der 
Vater der Geschichte von Lüttich» genannt worden ist °. 
Gegen Ende des 11. Jahrhunderts wird seine Chronik auch 
interessant für die Geschichte Frankreichs, Englands und 


ı Ss. 261. 

2 Jean de Mandeville (T’oung Pao, Nr. 4, Nov. 1891, S. 298). 

8 The Travels of Sir John Mandeville (The Quarterly Review, 
April 1917). 

* Vgl. G. Kurth, Etude critique sur Jean d’Outremeuse (Academie 
Royale de Belgique. Classe des lettres. Memoires. Tome VII. Bruxelles 
1910. S. 93 £.). 

5 Ebenda, S. 4, Anm. 


8 


Flanderns. Geschichtschreiber im jetzigen Sinne des Wortes 
ist er aber nicht, eher ein phantasievoller Romandichter, 
Nichts ist ihm unbekannt. Ausser Urkunden, die er wörtlich 
abschreibt, hat er für seinen Spiegel keine anderen Quellen 
benutzt als diejenigen, die der heutigen Forschung zu Ge- 
bote stehen ', was jedoch nicht hindert, dass er die unbe- 
deutendsten Nebenpersonen mit Namen zu nennen weiss. 
Er erzählt genau, an welchem Tage die und die Stadt oder 
Kathedrale gegründet worden sei usw. Um Professor Kurth 
anzuführen: »chez Jean d’Outremeuse les r£cits -vrai- 
semblables ne sont pas plus vrais que les autres; ıl faut 
ecarter en bloc tout ce qui ne s’appuie pas sur le t&moignage 
d’une source anterieure» °. 

Allerdings ist es Hamelius nicht gelungen, absolute Be- 
weise für die Verfasserschaft des Jean d’Outremeuse zu er- 
bringen, aber seine Wahrscheinlichkeitsbeweise sind über- 
zeugend. Die Ähnlichkeit von Ton und Inhalt in Mandevil- 
les Reise und in den Werken d’Outremeuses — besonders Ly 
Myreur des Hıstors —, in beiden enthaltene Irrtümer und 
vor allem die in seinen Schriften hervortretende, fast krank- 
hafte Manie zur Vermischung von Wahrheit und Lüge 
sind starke Beweise für einen gemeinsamen Verfasser. 
D’Outremeuse war selbst zu bekannt in Lüttich, als dass er 
es gewagt hätte, den Verfasserruhm für sich in Anspruch 
zu nehmen. Indem er diese zweifelhafte Ehre auf einen 
Engländer ?® übertrug, entging er etwaigen Folgen der An- 
griffe auf Papsttum und Kirche, die in der Reisebeschrei- 


i Vgl. Kurth, a. a. O., 8. 19. 

?2 Ebenda, S. 40. 

8 Laut der Inschrift eines Lütticher Grabmals, das zur Zeit der 
Französischen Revolution zerstört wurde, starb 1372 zu Lüttich ein 
englischer Edelmann, namens Joannes de Montevilla, alias dietus ad 
barbam. Es ist möglich, dass d’Outremeuse ihn nt und sich 
seines Namens bedient hat. 


9 


bung vorkommen. Nach Hamelius »verfasste» also — ver- 
mutlich nach 1362, jedenfalls nicht später als 1371, dem 
Entstehungsjahr der ältesten, noch erhaltenen Mandeville- 
Handschrift — der phantasievolle Lügner Jean d’Outre- 
meuse auf seiner Kammer die berühmte Schilderung der 
Länder, die er nie gesehen, und der Erlebnisse, die er nie 
gemacht hatte”. 

Ob d’Outremeuse dabei, wie Hamelius es für wahr- 
scheinlich hält, politische Zwecke verfolgte, nämlich um 
den Kampf Edwards III. von England gegen das Papsttum 
zu stützen °, bleibt unsicher. 

Verschiedene Uebersetzungsfehler und orthographische 
Irrtümer in den lateinischen Fassungen beweisen, das die. 
Reisebeschreibung ursprünglich in französischer Sprache 
niedergeschrieben worden ist. In mehreren Hss wird frei- 
lich behauptet, dass das Stoppelwerk lateinisch abgefasst und 
dann ins Französische übersetzt worden wäre. So heisst es 
z. B. in der von Hamelius herausgegebenen Hs (MS. 
Cotton Titus, Brit. Mus.), S. 4: And zee schull vndirstonde 


! Vgl. Hamelius, M. T., II: 116. 

? Gründe, wie sie N. A. Cramer (De Reis van Jan van Mandeville. 
Leiden 1908) in der Einleitung zu seiner ndl. Mandeville-Ausgabe, 
p- XXXIJ für die englische Nationalität des Verfassers anführt, be- 
dürfen kaum der Erörterung: »Want dat hij zich met recht een 
Engelschman noemde, staat vast. De toespelingen, die hij op zijn 
geboorteland maakt, behoeven in het algemeen nog niet veel te be- 
wijzen maar een ervan is m. i. afdoend. Als hij een zg. Arabisch 
alphabeth in zijn werk heeft opgenomen (kol. 122,37 vv.) voegt hij 
daaraan toe: „Et cestes iiij lettres ont ils vnquore plus pour la diuer- 
site de lour langage pour ce quils parlent ensi en la george ausi come 
nous avons en nostre parler en engleterre quil nad en lour a. b. c. 
cest assauoir Y et 3 que son Yorn et 30k." Deze mededeeling stemt 
'volkomen met de werkelijkheid overeen... Ik acht het ondenkbaar, 
dat onze schrijver deze bijzonderheid gekend had, ware hij niet zelf 
een Engelschman geweest.» (!) 

® Vgl. Hamelius, M. T., II: 13 £f. 


10 


bat I haue put this boke out of latyn in to frensch & trans- 
lated ıt a5en out of frensch in to Englyssch bat euery man 
of my nacıoun may vnderstonde it. Auch ın den ndl. MSS 
und in den auf dieselben zurückgehenden deutschen Hss 
finden wir die Behauptung: Ende weet dat jc dit boec hadde 
ghescreuen in latıne om der cortheden wille, mer om dat die 
menige bet verstaet duutsch (walsch) dan latin, so hebbict 
gheset in duutsch (walschen), om dattet een yghelijc moghen 
verstaen', während die frz. Hss lesen: Et sachez ge veusse 
cest escript mıs en latyn pur pluis briefment deuiser; mes, 
pur ceo ge plusours entendent mieltz romantz ge latın, ieo 
lay mys en romance, pur ceo ge chescun lentende et luy 
chiualers et les seignurs et lez autres nobles homes gı ne 
sciuent point de latın ... sachent et entendent, sı usw. ”, was 
der Uebersetzer wohl missverstanden hat. Im ersten Teil 
von Ly Myreur des Histors (S. 1, £. in Ad. Borgnets Aus- 
gabe) findet sich die ähnliche Begründung: C'hesty present 
cronıques que nous avons translateıt de latıen en francho:s 
... affın que toutes maniers de singnour et aultres gens, qui 
de latien n’ont nulle cognıssanche, le pussent entendre. 
Dieses Zaudern vor der gelehrten Sprache erklärt sich 
leicht: d’Outremeuses Kenntnisse des Lateinischen waren 
ın der Tat sehr mangelhaft, die Sinnwidrigkeiten sind 
zahllos, deren er sich bei seinen Uebersetzungen aus dem 
Lateinischen ins Französische schuldig macht ’°. 


! Vgl. Cramer, a. a. O.,S. 5. 
2 Vgl. Warner, a. a. O.,S. 3. 
® Vgl. Kurth, a. a. OS. 11. 


Die deutschen Handschriften. 


Wie beliebt Mandevilles Reise einst gewesen ist, erhellt 
aus der grossen Zahl der uns überlieferten Handschrif- 
ten und Drucke. Nach Bovenschen ' werden sämtliche 
Manuskripte auf 300 geschätzt. Diese Ziffer ist vielleicht 
etwas zu hoch gegriffen: Röhricht ® verzeichnet nur etwa 
200, was anderseits zu wenig ist, obwohl jedenfalls mehr 
als das Doppelte der noch erhaltenen Marco Polo-Hand- 
schriften. 

Eine Untersuchung der deutschen Mandeville-Hand- 
schriften ist vor bald 40 Jahren von Dr. J. Vogels unter- 
nommen worden; ıhre Veröffentlichung war ım Jahre 1890 
geplant, hat aber nicht stattgefunden, da Dr. Vogels’ spätere 
Wirksamkeit ıhm für diese Aufgabe keine Zeit übrig gelas- 
sen hat. Die von F. Sandbach ® gegebene Uebersicht ist 
sehr unvollständig und in mehreren Punkten unrichtig. 
Er verzeichnet nur 13 Hss von der Verdeutschung Ottos 
von Diemeringen und 6 von Michel Velsers. Zu der vorigen 
Fassung werden die Berliner Hss Ms. Germ. Fol. 204 und 
Ms. Germ. Quart. 322 geführt(!). In Röhrichts Verzeichnis 
werden auf S. 81 die Handschriften vollständiger aufgezählt; 
eine kurze Notiz weist darauf hin, dass sie teils von M. Vel- 
ser, teils von OÖ. v. Diemeringen übersetzt sind. Da aber auch 


ı A.a. O. S. 194, Anm. 

? R. Röhricht, Bibliotheca Geographica Palaestinae. Berlin 1890. 

® Handschriftliche Untersuchungen über Otto von Diemeringen's 
deutsche Bearbeitung der Reisebeschreibung Mandeville's. Strassburg 1899. 


12 


Röhrichts Uebersicht nicht mit den tatsächlichen Verhält- 
nissen übereinstimmt, habe ich die deutschen Handschriften 
nach den resp. Versionen zusammengestellt. 

Wie aus der folgenden Uebersicht hervorgeht; ıst Mande- 
villes Reise in mindestens vier verschiedenen deutschen Fas- 
sungen verbreitet gewesen. Weder Röhricht noch Sandbach 
berücksichtigt die Versionen C und D, obwohl schon 
Zarncke” auf die Möglichkeit einer dritten Uebersetzung 
hingewiesen hatte, d. h. ausser Ottos und Michel Velsers. 
Auch Minzloff * spricht von »verschiedenen Uebersetzungen 
dieser merkwürdigen Reisebeschreibung». Der von Gör- 
res® erwähnte »Pergamentcodex vom Jahr 1420, aus dem 
Lateinischen und Französischen, in dem Mandeville schrieb, 
ins Niederdeutsche sehr korrekt und sorgfältig übersetzt», 
scheint verloren gegangen zu sein, wenigstens ist es mir 
nicht gelungen, diese Hs zu entdecken. Es ist aber nicht 
unwahrscheinlich, dass sie aus dem Niederländischen über- 
tragen war, denn wie schon erwähnt, wird in einer ndl. 
(und in einer aus dem Ndl. übertragenen deutschen) Hs 
angegeben, dass Mandeville sein Werk lateinisch abgefasst 
aber dann in walschen gesetzt habe, damit es ein jeder ver- 
stehen könne. 

Eine dritte Fassung will A. Gebhardt* in der Mün- 
chener Hs Cgm 593 gefunden haben, die von einem Ulmer 
Bürger, namens Hans Bart, geschrieben ist. Hier liegt 
schlechthin eine Verwechselung von Uebersetzer und Schrei- 
ber vor. 

ı F. Zarncke, Der Priester Johannes. Zweite Abhandlung. Leipzig 
1876. S. 1832. 

? R. Minzloff, Die alideutschen Handschriften der Kaiserlichen Öffent- 
lichen Bibliothek zu St. Petersburg. St. Petersburg 1853. S. 124. 

® A. a. O.,S. 68. 

* A. Gebhardt, Das Erlanger Mandevillebruchstück und die Ent 


stehungszeit der Diemeringenschen Verdeutschung (Münchener Museum, 2. 
S. 197). 


13 


A. Die Uebersetzung Ottos von Diemeringen. 


1. Berlin, Preussische Staatsbibliothek, Ms. Germ. Fol. 
205. Papier. 14. Jh. Bl. I-V, 1—69. Die Bll. 15 und 40 
fehlen. 2spaltig, rote Initialen und Ueberschriften. Am 
Rande von späterer Hand hinzugefügte Bemerkungen. 

Anfang ' Bl. IA: Wande mir alle zit zü sınne ist gewesen 
frömede lande vnd wünder zü schowende vnd zU hörende vnd 
dis büch nuwe ist vnd von viıl frömeden sachen saget so han 
ich Otte von Diemeringen dümherre zü Metze daz selbe büch 
von latine vnd von weltsche zü tütsche gezogen ZU einer er- 
götzunge aller tütschen die gerne fromede sachen lesen 
_wellent 

Schluss Bl. 69°: das sin geloub der beste ist und bittent 
alle zu yme zü komende vnd daz selbe bitte ich dich ouch o 
Oristus Got ın ewigkeis daz du vns helffest daz wir von dir 
niemer gescheiden werdent. Amen. 


2. Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Nr. 167 (St. 
Märgen 2). Papier. Aus dem Jahre 1416. 2spaltig. Alem. 

Anfang Bl. 12: Jch Otto von Dümeringen ein tüm here 
zu Mentze in Lothringen han dis büch verwandelt vsz wel- 
sche in latıne zü tütsche vff das die tütschen ouch mügent 
dinne lesen von maniger wunderlicher sachen die dine ge- 
schriben sint 

Schluss Bl. 966: wie wol sü alle gloubent an Oristum 
vnd an sine gotheit und daz sın gloube der beste sıge vnd ıst 
vnd bittent alle zu Jme zü kummen vnd daz selbe bitte ich 
Johannes ouch o Oristus Got in ewikeit daz du vns helffest 
daz wir von dir niemer gescheiden werdent. Amen. 


ı Hier, wie im folgenden, sind — mit wenigen Ausnahmen — die 
Verkürzungen aufgelöst, die Eigennamen gross geschrieben, [ und 3 
durch s und z bzw. wiedergegeben. 


14 


3. Paris, Nationalbibliothek, Manuscrit allemand Nr. 
150 in quarto. Papier. Sammelhandschrift. 356 Bll. Die 
Reisebeschreibung und der auf dieselbe folgende Brief vom 
Priester Johannes" an den Römischen König und den Papst 
von Rom sind im Jahre 1418 vollendet worden. Ueber dem 
Text ist eine befestigte Stadt mit der Ueberschrift: IH ERU 
SALEM gemalt. 

Anfang Bl. 182: Jch Otte von Dyemeryngen ein dömhere 
zü Metze ın Lotteryngen han diz büche verwandelt vz wel- 
sche vnde latın in dütsche daz die dütschen aüch mogent 
dar ynne lesen von manıgen wünderlichen sachen die dar 
ynne geschriben sınt 

Schluss Bl. 191P: wie wol sie alle meistelichen geleübent 
an die gesetze Uristum vnde an sine heilige gotherd vnde 
daz yglicher meynet sın gelaübe sy der best vnde biedent 
auch alle zü Oristo zü komende vnde daz selbe bieden vnde 
begern ich aüch Oristus Got ın ewekeit daz dü uns helffest 
uvnde daz wir zü dır komen vnde aüch nummer von dir ge- 
scheiden in werden dez helffe uns daz hiemelsche kint vunde 
alle die lieben engel die da by ym sint. Amen. 


4. Schlettstadt, Bibliotheque Municipale, Nr. 1101, in 
quarto. Papier. Im Jahre 1419 von Volmar Lutzelstein ge- 
schrieben. 2spaltig. Sammelhandschrift. 

Anfang Bl. 22: Wande mir alzıt ıst zu sinne gewesen 
fromde lant vnd wunder zu schöwende vnd zü hörende vnd 
dis büch nuwelingen ist und von vıl frömden sachen saget 
so han ich Otte von Tiemeringen thümherre zu Metze das 
selbe büch von latın und von welsche zü thüsche gezogen zü 
einer ergötzunge aller thüschen die gerne frömde sachen 
lesen wellent 


ı S. F. Zarncke, Der Priester Johannes. Erste Abhandlung. Leipzig 
1879. 


15 


Schluss: wie wol sü meystlich alle glöbent an Orystum 
vnd an sine gotheit und das sin glöbe der beste sy vnd bittent 
alle zu yme zü komende vnd das selbe bitte ıch dich öch o 
Orystus Got ın ewigkeit daz du vns helffest das wır von dir 
nıemer gescheydent. Amen. 


5. Hamburg, Staats- und Universitäts-Bibliothek, Cod. 
geogr. 58, fol. Papier. 1447. 2spaltig. 88 Bll. 

Anfang Bl. 12: Fk Otto van Dimeringen eyn domhere 
to Mertze in Lotringhen hebbe ık dut buek ghewandelti vth 
walsche vnde latine in dudessche sprake vp dat de dudesschen 
ok darınne moghen lesen van mennighen wunderliken saken 
de dar inne ghescreuen synt 

Schluss Bl. 854: vnde bidden alle to em to komende vnde 
dat sulue bydde ık di ok o QOriste God ın der ewicheyt vorlat 
vns armen elenden sunders nicht vnde kum vns to hulpe myt 
dyner leuen moder der hochgheloueden konighynnen maghet 
Marien vnde myt alle dynen enghelen vnde apostelen vnde 
myt alle dynen leuen hilghen de dy ın dyner ewicheyt louende 
vnde erende synt dat wy nummer van dy scheyden mothen 
werden. Amen. 


6. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 693, in 
quarto. Papier. 1459. 214 Bll. Die Bll. 11, 12, 23 fehlen. 

Anfang: Ich Otto von Duneringen aın tumherr zu Mentze 
ın Lothoringen han das buch verwandelt 

Schluss: O Cristus Got ın ewigkait das du uns helfest 
daz wır von dir nymer geschaiden werden. Das verleich uns 
Got der vater und der hailig gaıst. Amen. 

Vgl. Sandbach, a. a. O., S. 12 ft. 


7. Würzburg, Universitätsbibliothek, Ms. fol. 38. Pa- 
pier. Laut Bl. 112 nicht später als 1464 geschrieben. Sam- 
melhandschrift. Der Band zählt 303 Bll.; gehörte früher 


16 


dem Dominikanerkloster in Würzburg. Mandevilles Reise 
findet sich auf Bl. 628 —125% (ältere Paginierung I’—119*). 
Initialen, Alphabete und Ueberschriften rot. Die Bll. 2—5 
sind fast unbeschrieben. Auf Bl. 6 der Anfang eines Re- 
gisters. Darauf fängt die Einleitung sofort an. 

Anfang: Ich Otho von Diemeringen eyn dumherr zü 
Metze jn Lotringen han dis büch virwandelt vs welische vnde 
latyne in dützsche vff das die dutzschen auch mogent dijnne 
gelesen von manchen wonderlichen sachen die dynne ge- 
schriben sınt 

Schluss: wie wol daz sie doch alle daz meysteyl geleubent 
an Oristum vnd an sine gotheit und das sin gelaube der beste 
ist und bieden alle zu yme zü komen vnd das selbe bieden ich 
auch o Oristus Got in ewikeit daz du uns helffest das wir von 
dir nummer gescheyden werden. Amen. 


8. Gotha, Herzogliche Bibliothek, Nr. A 26. Papier. 
Sammelhandschrift. Bl. 127—248. Von Martin Scherffen- 
:berger im Jahre 1472 geschrieben. Wie man mir mitteilt, 
wurde die Hs wahrscheinlich verstellt und ist nicht wieder 
gefunden worden. 

Anfang: Hie her nach hebt sich an das puch Johann von 
Montevilla. 

Schluss: das wir ny mer von dir gescheyden. Amen. 


Vgl. Sandbach, a. a. O., S. 15. 


Yy. Wolfenbüttel, Braunschweigische Landesbibliothek, 
Cod. 14. 10. Aug. 4° (v. Heinemann Nr. 3048). Papier. Aus 
dem Jahre 1473. 210 Bil. 

Anfang Bl. 1%: Es ist zu wissen das ich Ott von Dienier- 
ingen ein thumherre zu Metze jn Lüttringen han ditz büch 
verwandelt ausz wellisch vnd latein in deutsche dar Um das 
di) deutschen auch dar in gelesen mügen von mannigen wiün- 
derlichen sachhen dı) dar jnn geschriben sten 


17 


Schluss Bl. 2102: wy wol sy alle meistteilig an Ohristum 
vnd an sein gotheyt vnd das sein glaube der best sey vnd bit- 
ten alle zu im zu kumen vnd das selbe bitt ich dich auch o 
Christe Got ın ewikeyt das du vns helffest das wir von dır 
nymmer scheyden noch gescheyden werden. Amen. 


10. Wien, Nationalbibliothek, Cod. 2838, ın folio. Pa- 
pier. Im Jahre 1476 von Hanns Minner geschrieben. 178 
Bil. Die Hs ist 2spaltig mit roten Initialen und Ueberschrif- 
ten. Sie wird von einer grossen Anzahl Farbenzeichnungen 
ım Anschluss an den Text geziert. 

Anfang Bl. 12: (I)ch Otto von der Mauringen aın thüm- 
her ze Metze jn Luttringen han disz büch verwandlet usser 
wälsch und lattın jn tütsch durch das dısz tütschen lütte ouch 
mügen dar jnne lesen von mangen wunderlichen sachen die 
darjnne geschriben sınt 

Schluss Bl. 1632b: vund haissent doch alle|| cristan vnd 
gloubent an Jhesum Christum vnd an sin gothait und bitten 
all siner gnaden vnd jn das ewig rıch zü koment. Das bitt 
ouch Johanns von Manttauil ritlter geborn usz Engenland 
von Sant Alban der des ersten disz büch Gott zü lob gemacht 
hett. Amen. 


11. Bamberg, Staatliche Bibliothek, J. H. Mse. hist. 
112, fol. Papier. 15. Jh. 164 Bll. Gemalte Initialen. 

Ueberschrift: Hie hebt sich an das buch das man den 
lantferer heist. 

Anfang Bl. 5%: Ich Otto von Dyemeringen thumherre zu 
Metze in Lutringen gelegen hann disz buch verwandelt vnd 
verkeret ausz welschem vnd latein zu deutsch gemacht vff das 
das die deutschen auch darjnnen gelesen mogen von manchen 
wunderlichen dingen vnd geschichten die hierjnnen ge- 
schriben seint 

Schluss Bl. 162%b: wie wol sie allermeist gleuben an 

2 


18 


Christum vnd an seine heilige gothert und gleuben auch das 
seyn glaube sey in aller der werlt und biten yn mit ynnigem 
gebete ausz grunde irs hertzen das er yne wölle verleyen das 
sie von seynem götlichenn antlıtze nymmer gescheyden wer- 
den. Des selben bite ich den hymelischen|| vater auch o 
Jhesus Cristus Got ın ewigkeyt. Jch bite dich das du vns 
mit frewden helfest das wir armen sundigen menschen von 
deynem götlichen heiligen antlitze nymmer gescheyden wer- 
den. Das verleyhe vns Got der vater Got der sune vnd Got 
der heilige geist. Ämen. 


12. Berlin, Preussische Staatsbibliothek, Ms. Germ. Fol. 
1268 (früher in der Gymnasialbibliothek zu Koblenz befind- 
lich. Signatur Sectio Görres, Nr. 33). Papier. 15. Jh. 91 
Bll. 2spaltig. Rote und gemalte Initialen. Einleitung und 
Inhaltsverzeichnis fehlen. Md. 

Anfang Bl. 12: Der üsser lande nyt gewesen ıst der wenet 
lichtenlich sijn lant daz sij daz best doch wie woil eynre 
v17l licht also ertzogen wirt daz er nye verre begquam der horet 
doch gerne von fremden landen sagen 

Schluss Bl. 91°: an sijne gotheit und daz sıjn gelaube der 
beste sı7 und bijdent alle zu hime zu komen vnd dasselbe 
bijden ich dich auch o Criste Got jn ewichheit daz du vns 
helffest daz wır von dır nummer ghescheiden werden. Amen. 


13. Erlangen, Universitätsbibliothek, Sammelmappe 
2112, Nr. 35. 1 Pergamentblatt in quarto, das anscheinend 
spätestens aus der ersten Hälfte des 15. Jhs. stammt. 2spal- 
tig. Umfasst den Schluss des 7. und den Beginn des 8. 
Kapitels im 2. Buche. 

Anfang celxxx@: der durch kumen mag wann man vindet 
vnterwegen nicht alleine ungelaubig volk und mor 

Schluss celxxx@: und die ander stat haisset Floranse noch 
seiner andern grossen frawen die seiner mutter (mutter was). 


Vgl. A. Gebhardt, a. a. O. 


19 


14. Gotha, Herzogliche Bibliothek, Nr. 584. Pergament. 
15. Jh. 108 Bll. 2spaltig. 

Anfang: Ich Otto von Diemeringen thumherre ztu Mentz 
in Lotringen habe ıch ditz buch gewandelt vs welsch vnnd vs 
latın yn dutzsch vff das das die dutschen ouch darynne mogen 
gelesin von manchen wunderlichen sachen die darynne ge- 
schrebin sınt 

Schluss: wy wol sy das alle meystelich glouben an 
Oristum vnnd an syne gotheyt vnnd das syn gloube der 
beste ist vnnd bitten alle ztu em ztu komende vnnd das selbe 
bitte ich dich ouch o Christus Got ın ewigkeyt das du hilffest 
vns das wyr nymmer von dir gescheyden werden. Amen. 


15. Heidelberg, Badische Universitätsbibliothek, Pal. 
Germ. 65, fol. Papier. 15. Jh. 139 Bll. 2spaltig. Auf Bl. 
35V die Wappen Erpachs und Hirshorns. 

Anfang Bl. 1%: Jch Otto von Dyemeringen ein dumherre 
zu Metze ın Luttringen han disz buch verwandelt vsz welsche 
vnd latın in dutsche vff dasz die tütschen auch dar inne 
mogent lesen von manigen wunderlichen sachen die dar jnne 
geschriben sınt 

Schluss Bl. 1394: wie wol sie alle meisteilig geleuben an 
Oristum vnd an sine gotheit vnd daz sine gelaube der beste 
ist vnd bittent alle zu ym zu komende vnd daz selbe bitten 
sch dich auch o Oriste Got ın ewikeit das du vns helffest daz 
wir von dir nyemer gescheiden werden. Amen. 


16. Heidelberg, Badische Universitätsbibliothek, Pal. 
Germ. 138, fol. Papier. 15. Jh. 116 Bl. 

Anfang Bl. 18: Jch Otte von Diemeringen eyn dumherre 
zu Metze ın Luttringen han disz buch verwandelt usz welsche 
vnd latıne yn dütsche uff daz die dütschen auch mogent do 
ynne lesen von manichen wünderlichen sachen die do ynne 
geschriben sınt 


20 


Schluss Bl. 126% (falsche Zählung) :wie woll sie meistlich 
alle glaubent an Uhristum vnd an sine gotheit und daz sın 
glauben der beste ıst und bittent alle zu yme zu kummende 
vnd daz selbe bitten sch dich auch o Christus Got in ewikeit 
daz du vnsz helffest daz wir von dir nymer gescheiden wer- 
den. Amen. 


17. London, British Museum, Add. Nr. 17335, fol. Pa- 
pier. 15. Jh. 2spaltig. Unvollständig. Ueber dem Texte ein 
Wikingerschiff mit der Inschrift: Jch zur Mentvil eın ritter 
geborn vsz Engellant. Daneben ein Mann in ein Buch 
schreibend nebst der Inschrift: Jch Otte von Diemeringen 
eın dümherre ze Metz. 

Anfang Bl. 12: Jch Otte von En ein tüm herre 
zü Metze jn Lütteringen habe dıs büch verwandelt vsz welsch 
vnd latine zü tütsche vff das die tütschen ouch mügent dar 
jnne lesen von manigen wunderlichen sachen die hie inne 
geschriben stont 

Schluss Bl. 614: Verflüchet sy der win vnd die die dich 
trinckent und vmbe die sachen so trinckent die heiden keinen 
win die an Machmet gloubent ez sy dann heimlich. 


18. Magdeburg, Stadtbibliothek, XII 15 2° 1 (früher 
III 209 4° 75 d). Papier. 15. Jh. (um 1420). 2spaltig. 
75 Bll. 

Anfang Bl. 12: Ek Otte van deme rynghe domphere to 
Mentze ın Lotryngen hebbe dijt bouk vmmewandelt vt 
walschem vnde latine jn düdesch vppe dat de dudesschen ok 
dar jnne mogen lesen van mannigen wunderliken saken de 
dar jnne gescreuen sınt 

Schluss Bl. 75°: wı7 wol dat se al meystich loven an 
Orıstüm vnde ar sine gotheyt dat sın love de beste ys vnde 
beden alle to ome vnde des suluen bidde wij ok o Kristüs Got 
jn ewicheyt dat du vns helpest dat wıj van dy nummer ge- 
scheden werden. Amen. 


21 


19. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm. 329, fol. 
Papier. 15. Jh. (Nach Gebhardt, a. a. O., S. 200, Anm. 3, 
stammt die Hs anscheinend aus der Zeit 1430—1435.) 90 
Bll., von denen Bl. 1 und 90 beschädigt sind. 2spaltig. Rote 
Initialen. Unvollständig. 

Anfang Bl. 22: Ich Ott von Diemaringen ein tumherre 
tzu Metze in Lotheringen han das büch vervandelt aus wälsch 
vnd (la)tein zu täwtsch auf daz die täfw)tschen auch darynn 
mügent lesen von manigen wunderlichen sachen die her yn 
geschribn sind 

Schluss Bl. 904: Also ist der haiden glawb die under dem 
soldan wonen vnd sind recht als halb juden vnd halb christen 
natürleichs glawben gesittet. Dje hayden die under dem. 


20. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 593, fol. 
Papier. 15. Jh. 117 Bll. Die Bll. IX, X, CIX (nach der 
älteren Paginierung) fehlen. Bl. 99 ist von einer anderen 
Hand geschrieben. 2spaltig mit roten Initialen und Ueber- 
schriften. Auf Bl. 1 und 5 finden sich Namen von Ulmer 
Bürgern. Die Hs ist in 5 Bücher eingeteilt, jedoch ist der 
Anfang des vierten Buches nirgends, auch nicht im Register 
angegeben. Ottos Vorrede fehlt ganz. 

Bl. 22: Hie hept sich an das Register Johannis von Mon- 
teuillan vnd wiset vnd leret von allen harlıgen stetten die 
vmb daz hailig gra (Loch) da ligent da Got oder die harligen 
gewandlet hand 

Auf Bl. 5b hat eine spätere Hand die Mutmassung ge- 
schrieben: Die folgende Uebersetzung scheint nach dem nie- 
derländ. Text des Mandevilla verfertigt worden zu sein. 

Bl. 62: Hie hebet sich an Johannes von Monteuilla geborn 
von von(!) Engelant. Darunter: Ich Johans von Monteuill 
ritter geporen vsz Engeland von der stat die da haısset Sant 
Alban saz jn schiff da man zalt von Oristus gepurte tusent 117 
hundert und xzxij j(ar) und bin gevarn vber mer 


22 


Das letzte Kapitel der Diemeringenschen Version fehlt in 
dieser Hs. Statt dessen folgt auf Bl. 117 eine der Velser- 
schen Fassung entnommene Partie, obwohl in etwas verstüm- 
melter Form: Jch Johannes von Monteuilla für vber mer da 
man zalt von Oristus gepurt tusent cc vnd xxx(!) jar vnd 
bin gewesen enhalb mers vnz man zalt tusent cc vnd Ixıj jar 
vnd bin gefarn 

Schluss Bl. 1174: Hie hant Johannes von Monteuille ein 
end vnd stat gar ordenlich von landen zelanden von wasser 
zewasser von einer jnsel zü der andern und von allen haılıgen 
stetten und kirchen von einer zü der andern den nechsten und 
rechtesten weg wann ich si wol versucht han an allen enden. 


21. Prag, Fürstlich Lobkowitzsche Bibliothek, Ms. 421, 
fol. Papier. 15. Jh. 154 Bll. Rote Initialen, Ueberschriften 
und Alphabete. 

Anfang Bl. 1%: Ich Otte von Diemertingen ain thümherre 
zü Mettze jn Luttringen han diısz büch verwandlet us der 
wälsch jn latın zü tütsche uff daz daz die tütschen darjnne 
mugent gelesen von mangen wunderlichen dingen vnd sachen 
die darjnne geschriben sind 

Schluss Bl. 153b—154%: wie wol sy aller maist globent 
an Christum vnd an sin gothait und daz sin glob der || best 
syg vnd bittent all zü jm ze komen vnd daz selb bitt ich och 
o Christe Gott in ewikait daz du ins helffist daz wir von dır 
niemer geschaiden werdint. Amen. 


22. St. Gallen, Stiftsbibliothek, Ms. 628, fol. 15. Jh. 
Sammelband. Die Mandevillesche Reisebeschreibung umfasst 
die Bll. 8544_-917b. 2spaltig. Ottos Einleitung und Inhalts- 
übersicht fehlen. Die Hs ist am Schluss unvollständig. 

Anfang: Eın vglich mensch begert von natur vil zu wis- 
sen als der weysz man spricht das aug wirt nymer erfult des 
sehens noch das ör des gehorns wan durch die zwn eussern 


23 


syn mer weyszheit oder verstandenheit in den menschen eıin- 
geet dan durch die andern 

Diese Einleitung endet auf Bl. 855®: einen fursten ausz 
der Marck genant Ogier der vielleicht der heubtleut einer 
ist gewest. Wer das bas erfarn wıl der lesz Hystorıam Fran- 
corum wer seın aber nicht glauben wolle der erforsch die 
warheit. | 

Dann folgt die eigentliche Reiseschilderung: Und ich 
Johannes von Manteuilla ritter geborn von Engellant von 
der stat die da heyst Sant Albon sasz in das schif des jars 

Schluss: Auch mein sie wir sein bosz leut wen wir nit 
halten die gesetz die vns Ohristus gab vnd das wir die ge- 
schrift anders wollen versteen dann Christus und der xzıj boten 
syn was vnd dorumb meinen sie sie sullen die besten sein. 


23. Strassburg, Universitäts- und Landesbibliothek, Nr. 
L 195, fol. Papier. 15. Jh. 2spaltig. Sammelband. Die 
Reisebeschreibung findet sich auf Bl. 236°—2764. Ottos Ein- 
leitung und Inhaltsverzeichnis fehlen. Am Schluss unvoll- 
ständig. | 
Anfang: Ein jglich mensch begert von natur vıl zu wissen 
als der weisz man spricht das aug wirt nymmer erfult des 
sehends noch das or des gehorns wann durch die tzwn ewssern 
synn mer weisheit oder verstandenheit jn den menschen ein- 
gehet dann durch die andern 
Ende der Einleitung: einen fursten ausz Dennmarck 
genant Ogier der villeucht der hewptlewt einer ist gewest. 
Wer das basz erfarn wil der lesz Historiam Francorum wer 
sein aber nicht glauben woll der erforschen dy warheyt. 
Die eigentliche Reiseschilderung beginnt auf Bl. 2372: 
Vnd jch Iohanns von Montauilla rıtter geporn von Engellant 
von der stat die do haısset Sand Albon sasz ın das schieff des 
vars 
Schluss: Auch meyn sie wir sein pösz lewt wenn wir nit 


24 


halten die gesetz die uns Christus gab vnd das wir die ge- 
schrifft anders wollen versteen denn Christi und der zıı boten 
syn was vnd darum meynen sıe sie sullen die pesten sein. 


24. Trier, Stadtbibliothek, Nr. 1935, 13, fol. Papier. 
15. Jh. 229 Bll. 2spaltig. Mittelfränkisch. Provenienz: Dit 
bo:ich hort zo broder Johanne dem snyder yn Euerhartzclusen 
vnd hat es selber geschryben myt groisser arbeit. Die Reise- 
beschreibung umfasst die Bll. 122—199. 

Anfang Bl. 1222: Ich Otte von der Margen thum here zu 
Metze yn Lottryngen han dys buch vorwandelt visser latyn 
und vssz welschem zu duytschem durch das dutsche lude aüch 
dar ynne mogen lessen van villen wunderlichen dyngen van 
landen 

Schluss Bl. 1992: die doch alle erysten heyssent vnd ge- 
leubent doch alle an den beysten got Jhesum Ürıstum vnd aın 
syne gotheit und bedent und begernet alle syner genaden zu 
em jn syn ewige ryche komen vnd des selben byden jch uch 
Johannes Meinteuyl rytter geboren vısz Engellant van der 
stayt heysset Sant Albayn der dis buch dem eyrsten Gode zu 
lobe unde erren gemaschet hait. Amen. Dyu gracıus. 


25. Wiesbaden, Staatsarchiv, Ms. B 25, fol. Papier. 15. 
Jh. Drei versch. Gegenstände, von einer u. ders. Hand 
geschrieben. Mandevilles Reise steht auf Bl. I—LXXIIl 
in Doppelkolumnen. Die Bll. V und XLI fehlen, Bl. 
XVII ist bis auf einen geringen Rest herausgerissen, 
vom Bl. LXII ist der untere Teil abgerissen. Die Anfangs- 
buchstaben der Abschnitte sind rot oder blau gemalt. Die Hs 
wurde früher im Idsteiner Archive aufbewahrt; ihr ehe- 
maliger Besitzer war ein Bürger zu Mentz, namens Wyn- 
neck. Ottos Einleitung und Inhaltsübersicht sowie der Name 
des Uebersetzers fehlen. 

Anfang Bl. 1%: Der uszir lande nit gewesen ist der wenit 
lichelich sin lant daz sy daz beste | 


25 


Am Ende der ersten Spalte: So han ich ısz von lattıne 
unde von welsche zu dutsche gezogin. Der vorgnante ritter 
der diz buch nach sınem tode zu eime ewegen selegerede ge- 
macht hat der hebit also an unde sprichit: Ich Johannes von 
Menteville ritter geborn usz Engeland 

Schluss Bl. 724 —73@2: unde daz selbe bit ich dich auch o 
Oristus Got ın ewekeit daz du uns helffist daz wir von dir 
nümer gescheidin werden. Amen. 

Vgl. F. T. Friedemann in seiner Zeitschrift für die Ar- 
chive Deutschlands, Bd. I (1847), Heft 1 (1846), Gotha, 
S. 73. Die Textauszüge verdanke ich Herrn Staatsarchiv- 
Direktor Dr. M. Domarus. 


26. Wien, Nationalbibliothek, Nr. 12449, fol. Papier. 
16. Jh. 238 Bll. 2spaltig. Sammelhandschrift. Mandevilles 
Reise ist auf Bl. 150-234 geschrieben. Die Hs wird von 
zahlreichen Farbenzeichnungen geziert. Platz ist gelassen für 
dıe Initialen. | 

Anfang Bl. 150%: Jch Otto von Dyermaringen ein tüm- 
herre ze Metze in Lotoringen han disz büch verwandelet 
vsser welsche und vsser latın ze tütsche durch das die tutschen 
lüte auch mügent dar jnne lesen von manigen wunderlichen 
sachen die dar jnne geschriben sınt 

Schluss Bl. 234°: und haissent doch alle crısten vnd ge- 
laubent auch alle an den besten got Ihesum Ohristum vnd 
an seın gothait vnd bittent vnd begerent alle seiner gnaden 
vnd zu jm jn sein ewigs reich ze komende jtem vnd dasselb 
bit auch ich Johan von Mantheville ritter geborn auss Engel- 
land von der statt haisset Sant Alban der dıss buch des ersten 
Gott zelob gemachet hatt. 


27. Wolfenbüttel, Braunschweigische Landesbibliothek, 
Cod. 32 8 Aug. fol. (v. Heinemann Nr. 2328). Papier. 16. 
Jh. 190 Bll. Die Reisebeschreibung umfasst die Bll. 79 
—190. 


26 
Ueberschrift: Hie hernach hebt sich an das buch Johan- 


nıs von Montauilla des ritters. 

Anfang Bl. 79%: Ich Otto von Tennmarck ein thumherre 
zu Metz in Lütringen hab disz puch verwanndelt aus wellisch 
lateinisch vnd teutsch gemacht auf das die teutschen auch 
darjnnen mügen lesen von manigen wünderlichen sachen die 
darjnnen geschriben seın 

Schluss Bl. 190°: wiwol sie das meyst tail alle gelauben 
“an Ohristum vnd an sein gotheit und das sein gelauben ıst 
der pest und bitten alle zu jm zu kumen vnd dasselb pit ich 
auch o Oristus Got jn ewigkeit das du vns helffest das wir 
nymer von dir werden geschaiden. Amen. 


* * 
* 


Obwohl die Zahl der überlieferten Hss von Ottos Ueber- 
setzung etwas geringer ist als die der Velserschen Fassung, 
steht jene an der Spitze dieses Verzeichnisses, da sie in der 
Tat allmählich die in Deutschland bekannteste wurde, was 
wohl hauptsächlich darauf beruht, dass sie Aufnahme fand 
in das Reisebuch des heiligen Landes, und dass sie später im 
Volksbuch abgedruckt wurde. Auch in Böhmen verbreitete 
sich diese Version, und zwar durch die von Vavrinee z 
Brezov& wahrscheinlich um 1400, jedenfalls vor 1419, be- 
wirkte Uebersetzung '. Die tschechische Ueberlieferung 
zählt 10 Hss, von denen 3 aus neuerer Zeit stammen. 

Die Person Ottos ist urkundlich nachgewiesen. In einem 
Metzer Aktenstück aus dem Jahre 1381 wird unter den 
Domherren auch Otto de Demeringa erwähnt; in einem 
anderen aus dem Jahre 1384 wird er Otto de Meringa ge- 
nannt. Wahrscheinlich wurde Otto de Demerenges, wie sein 


I Vgl. Fr. Simek, Cestopis t. zu. Mandevilla. V Praze 1911. p. 
XXXVII. 


27 Li 


Name 1371 lautet, Domherr um das Jahr 1369 und starb um 
1398. Seine Uebersetzung dürfte also zwischen diese Jahre 
fallen”. Von der auf uns gekommenen Ueberlieferung ist 
nur die mit Nr. 1 bezeichnete Hs, wie es scheint, im 14. Jh. 
entstanden. Das Original ist sie jedenfalls nicht, wie aus 
einigen Lücken und Verschreiben hervorgeht. 
Charakteristisch für Ottos Version, wie auch für die 
lateinische sog. Vulgata-Version und eine frz. Fassung, ist 
vor allem die häufige Erwähnung des Lütticher National- 
helden Ogier der Däne. Auch ein beträchtlicher Teil vom 
Myreur ıst den Taten Ogiers gewidmet; in d’Outremeuses 
Geste de Liege, dem gereimten Gegenstück zum Myreur, wer- 
den seine Heldentaten besungen; d’Outremeuse behauptet 
selbst, eine geste über Ogier verfasst zu haben, noch bevor 
er die Geste de Liege schrieb; ganze Partien von den asiati- 
schen Reisen Oderichs von Pordenone finden sich im Spie- 
gel und in der Reise. Im letztgenannten Werke wird Oderich 
von Mandeville, im Spiegel von Ogier vertreten. Die Ge- 
schichte Ogiers, wie sie im Myreur erzählt wird, gehört zu 
den Phantasieschöpfungen des Jean d’Outremeuse. Nach 
mehr als 400-jähriger Gefangenschaft bei der Fee Morgana 
zieht Ogier auf Gottes Befehl nach Frankreich, um König 
Philipp-August aus den Händen der Sarazenen zu retten, 
die mit einem Millionenheer Paris belagerten. Der Bischof 
Hugues de Pierrepont erfährt von der Ankunft des Paladins, 
sucht ihn auf und bittet ihn, »por vostre honneur meismes» 
seine Lebensgeschichte zu erzählen. Ogier gewährt ihm seine 
Bitte und berichtigt der Sicherheit halber selbst den Text, 
der die O'hronique des V avassours genannt wurde, auf welche 
d’Outremeuse sich wiederholt beruft. Nach Kap. L der Vul- 
gata-Version entstand die Mandevillesche Reisebeschreibung 


® Unrichtig ist die Behauptung Gebhards (a. a. O., S. 203), dass 
alle bisherigen Zeitangaben zu berichtigen wären. 


28 


in ähnlicher Weise. Mit der Hilfe seines Arztes, des Ma- 
gisters lohannes ad Barbam, und auf dessen eindringliche 
Bitten verfasst nämlich der kühne Weltbummler Sır John 
Mandeville den Bericht seiner nicht weniger erstaunlichen 
Erlebnisse. 

In Ottos Verdeutschung ist der Stoff nach neuen Ge- 
sichtspunkten geordnet und auf 5 Bücher verteilt, die wie- 
derum in Kapitel zerfallen. Da einige Hss der Vulgata-Ver- 
sion in 3 grössere Abschnitte eingeteilt sind, ist es nicht aus- 
geschlossen, dass Otto durch die lateinische Vorlage, von der 
am. Anfang der Uebersetzung gesprochen wird, auf den Ge- 
danken gebracht wurde, seine deutsche Bearbeitung in 
Bücher einzuteilen und somit übersichtlicher zu machen. 

Die von Sandbach angestellte Untersuchung der Hand- 
schriftenverhältnisse dieser Version ist sehr unvollständig: 
sie umfasst nur 5 Hss und 2 Drucke. Die beiden ältesten Hss, 
Ms. Germ. Fol. 205 Berlin und Nr. 167 Karlsruhe werden 
nicht berücksichtigt. Ausserdem ist aber der von Sandbach 
vorgelegte Stammbaum von problematischem Wert, da die 
Verwandtschaft grossenteils von der Uebereinstimmung oder 
Nichtübereinstimmung der Eigennamen abhängig gemacht 
wird, ein Umstand, den Simek a. a. O., p. VII, hervorhebt. 

Da ich nicht in der Lage gewesen bin, sämtliche Hss von 
Ottos Uebersetzung einzusehen, muss ich mich mit einigen 
Hinweisen benügen, die für das Verwandtschaftsverhältnis 
von Interresse sein dürften. | 

Wie aus dem Verzeichnis ersichtlich ist, beginnt die 
Mehrzahl der Hss mit Ich Otto von Diemeringen u. s. w. In 
Nr. 1 und Nr. 4 ist der Anfang etwas verschieden: Wande 
mir alle zıt zü sinne ıst u. s. w. Auch in der Fortsetzung 
unterscheiden sich Nr. 1 und Nr. 4 von den übrigen, indem 
sie erwähnen, weshalb Otto die Inhaltsübersicht geschrieben 
hat u. a. m. Ich zitiere nach der Berliner Hs: ... wellent. 
Jch han ouch dise tafel gemachet daz yederman deste licht 


29 


licher viınde daz er süchen wıl ın disem büche. Vnd do ette- 
liche stücke lichte vngelöplich sınt do han ich frömeder 
meıstere von naturen zZü zügnüsse ZUü latine geschriben die 
man wol mag lesen der sü hören wıl die die meistere pfaffen 
von naturen wol verston süllent. 

Ein ähnliches Paar bilden Nr. 22 und Nr. 23, in denen 
Ottos Einleitung und Inhaltsverzeichnis fehlen, die aber 
statt dessen eine ganz verschiedene, mit Ein iglich mensch 
begert von natur vıl zu wissen anfangende Einleitung bieten. 
Beide schliessen übereinstimmend im II. Kapitel des V. 
Buches. 

Ob zwischen Nr. 12 und Nr. 25 nähere Verwandtschaft 
besteht, entzieht sich meiner Beurteilung. In beiden vermis- 
sen wir Ottos Einleitung und Inhaltsangabe, jedoch kann 
die Uebereinstimmung am Anfang zufällig sein. Es unter- 
liegt hingegen keinem Zweifel, dass Nr. 10, Nr. 24 und Nr. 
26 den übrigen Hss gegenüber eine engere Gruppe bilden. ' 
Man beachte die Schreibung von Ottos Vaterstadt, das hin- 
zugefügte lütte (lude, lüte) und die Schlussformel, die in 
keiner der übrigen Hss anklıngt. 

Die mit Nr. 5 und Nr. 18 bezeichneten Hss sind nieder- 
deutsch. Die Magdeburger-Hs ist mit folgendem Vermerk 
versehen: Bericht von einer 1322 nach Palästına gemachten 
Reise. Um 1420 ins Niederdeutsche übertragen von Otto von 
deme Ringe. Dass ein Domherr zu Metz seine Uebersetzung 
ın nd. Sprache abfasst, ist schon an sich unwahrscheinlich ; 
ausserdem ergibt eine Untersuchung der beiden Hss, dass 
sie aus dem Hochdeutschen übetragen und mit zahlreichen 
Lesefehlern und Lücken behaftet sind. Folgende Beispiele 
dürften genügen. Die hd. Belege sind der Heidelberger-Hs 
Pal. germ. 65 (Nr 15) entnommen. 

In Ägypten gibt es Vögel, Ibisse genannt ... 

Nr. 15: V’ff dem wasser vindet man vil fogele die man 
nennet bıs 


30 


Nr. 5: Vp deme watere vindet men vele voghele de men 
nomet heth 

Nr. 18: Vppe deme watere vindet man vele vogele de 
men het byt. 


Nr. 15: Daz selbe heilige crutze hatten die juden ver- 
.borgen vnder den fels den man nennet (aluarie locus 

Nr. 5: Dat sulue hilghe cruce hadden de ioden vor- 
borghen vnder der erden under deme velde dat men nomet 
Oaluarie 

Nr. 18: Dat sulue hillige crutze hadden de joden vor- 
borgen vnder der erden vnde under deme velde dat men 
nomet Caluarie. 

Insbesondere die Hamburger-Hs bietet mehrere Belege 
für veld, velt, entsprechend einem hd. fels, während Nr. 18 
dieses Wort gewöhnlich durch barch oder wall übersetzt. 


Nr. 15: Hunren die gut wolle tragent und keine federn 

Nr. 5: Honeren dede gude wulle draghen vnde bome 
vedderen | 

Nr. 18: Honren dede gude wulle dragen vnde neyne 
vedderen. | | 

Das sinnwidrige bome ist zweifelsohne aus einer Form 
mit anlautendem % entstanden. 


Nr. 15: Egypten ... mag nit breit sinbrestehalb des 
wassers 
Nr. 5: Egipte ... mach nicht breyt sin half breyt 
waters 
Nr. 18: Egipten ... ne mach nicht breyt sın twis- 
schen beyden wateren. 


3l 


B. Michel Velsers Uebersetzung. 


1. Halle, Universitäts-Bibliothek, Yd 8, 4°. Pergament. 
14. Jh. Der Handschrift ist ein auf Papier geschriebenes 
Register vorgeheftet. Dieses Register beweist, dass dem 
Schreiber die ganze Handschrift bekannt war, deren Blät- 
ter 1—10 und 48 — Schluss fehlen. Nach dem Register war 
auf Bl. 69 der Anfang des letzten Kapitels (Item von den 
abgottern der heyden). Auf der Mehrzahl der Blätter sind 
Spuren von abradierten Texten erkennbar. Die Hs gehört 
der 2. Hälfte des 14. Jhs. an und ist zum Teil reskribiert. 
Von &@iner Hand in schöner, steifer, kleiner Buch-Kursive ge- 
schrieben, die auf den ersten Blick älter erscheint. An die 
Stelle der am Anfang fehlenden 10 Pergamentblätter ist ein 
Quintern von Papier eingesetzt, der erst im Anfang des 15. 
Jhs. beschrieben sein kann. Somit enthält die Hs im ganzen 
47 Bll. nach Einrechnung des Registers. Der Einband ist ein 
Holzdeckel mit Ueberzug von weissem Schweinsleder. Er 
stammt aus der Zeit um 1400. Kapitel mit roten Ueber- 
schriften, abwechselnd mit roten und blauen Initialen be- 
ginnend. Die Sprache erscheint als oberdeutsch-fränkisch. 

Ueber den Inhalt der Hs unterrichtet uns das auf Papier 
geschriebene Inhaltsverzeichnis: Das Register obir das büch 
das man nenet Johann von Mandeuilla und eyn lantferer was. 

Bl. 12 (Nach alter Signatur XI) Rubr.: Hic narrat de 
magna Babilonia quam edificaust Membrot suo tempore. 
Text: Sıder sch euch gesagt han von dem chlain Babilonia 
do der soldan wont nun wil ich euch sagen von dem grossen 
Babilonıa do die sprach sich vervandelt alz Got wolt do der 
grozz turn fon Babel wart an gefangen 

Bl. 37b (Nach alter Zählung 47b): und daz volck von dem 
land tregt ycleicchz aıinen achsen vor ım. 

- Die Beschreibung verdanke ich Herrn Dr. phil. Gieraths, 
Halle. 


32 


2. Giessen, Hessische Universitäts-Bibliothek, Nr. 992, 
in Klein-fol. Papier. 14—15. Jh. Sammelband. Ospaltig. 
Rote Initialen und Ueberschriften. 

Anfang Bl. 54%: Do ich da haim vsz für ın dem müt daz 
ich wolt varen uber mer zü dem hailigen grab und zü dem 
gesegnoten ertrich daz man ın latein haizt Terra Promis- 
sıonis 

Schluss Bl. 104%: Dar vmb bitt ich all güt cristen daz sü 
Got wellen fur mich bitten mit aınem paternoster daworten 
daz ich den barmhertzigen Got in vener welt gern wil fur 
wv bitten vnd daz vns Got allen verleich nach disem leben 
das ewig leben. Amen. 

Darunter: I/ste liber est Marquardı Waltheri (Custodis 
ecclesie sti Mauriciv Aug. 

Die Hs kann ihrem Charakter nach ebensogut dem 14. Jh., 
etwa um 1390, als auch dem 15. angehören. Die erste der in 
dem Sammelband vereinigten Handschriften war im Jahre 
1400 im Besitz des Ulrich Walther des Alten. Die Walther 
sind eine Augsburger Patrizierfamilie, in der der Hand- 
schriften-Sammelband weitervererbt wurde. 

Prof. Dr. K. Ebel hatte die Güte, mir über diese Hs 
nähere Auskunft zu geben. 


3. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 332, fol. 
Papier. 109 Bll., von denen 2 unbeschrieben sind. Bl. 83 ist 
beschädigt. Rote und grüne Initialen, rote Ueberschriften. 
Dem Texte geht ein rot geschriebenes Register voran (Bl. 
12-32): Hie merchket das register ditz püchs waz malerı 
es sage. Jtem an dem ersten plät die vor rede. Jtem an dem 
andern plat nennet sıch der ritter mit namen. 

Anfang Bl. 4% (Nach alter Zählung If): Do ich da haym 
auz für jn dem müt daz ıch wolt faren über mer zü dem 
heyligen yrabe vnd zü dem gesegenten ertreich daz man jn- 
latein ha:isset Terram Promissionis 


33 


Schluss Bl. 107% (früher OxiiiT): Dar vmb pit ich all 
güt christen daz sı Got wellen für mich piten mit ainem pater 
noster de warten daz sch den parmhertzigen Got jnener werlt 
gern wıil für ewch piten daz uns Got allen verleich durch 
seiner gruntlosen parmhertzichait willen nach disem leben 
daz ewig leben. Amen. Deo gracias. 

Darunter (rot): Das püch ist volbracht wörden jnder iar 
zahl nach Christi gepürde tawsent vierhundert iar dar nach 
jn dem newnten tar. 


4. Warschau, Universitäts-Bibliothek, Niem. Q. 4. 1. 
Papierhandschrift vom Jahre 1412 in 4°. 120 Bll. Das 
letzte Blatt verstümmelt. Kursivschrift mit gemalten Initi- 
alen, roten Summarien und Rubriken. 

Anfang Bl. 1%: Do ich waz do haim vnd aus fur in dem 
muet das ich wollt varn über mer zu dem heiligen grab vnd 
zu dem gesegnten erdreich daz man in lateın haisst Terram 
Promissionis 

Schluss Bl. 120°: Darum pitt ich all gut christen daz sy 
Got wellen für mich pitten und für den schreiber der gegen- 
bürtich puch geschriben hat. Vnd hat ez geendet da man 
zalt nach Christi gepurt tausent und vierhundert jar und in 
dem zwelften jar am phincztag nach Sand Mathie tag dez 
heiligen zwelfpoten ın der vasten. 

Diese Handschrift befand sich früher in der Kaiserl. 
Öffentl. Bibl. zu St. Petersburg (Vgl. R. Minzloff, Die alt- 
deutschen Handschriften der Kaiserlichen Öffentlichen Bi- 
bliothek zu St. Petersburg. St. Petersburg 1853). Laut der 
Bedingungen des Rigaer Friedensvertrags vom 13. Juni 1924 
wurde sie an die Polnische Regierung übergeben. 


5. Breslau, Stadtbibliothek, M 1073, in folio. Papier. 
1414. Die Hs., die sich früher in der Bibliothek der Kirche 
zu St. Maria Magdalena befand, hat durch Nässe stark ge- 

3 


34 


litten, so dass manche Stellen des Textes unleserlich ge- 
worden sind. Der Band umfasst 192 beschriebene, von alter 
Hand bezifferte und eine grössere Zahl unbeschriebener Blät- 
ter. Voran geht auf 3 unbezifferten Blättern ein Register in 
roter Tinte, das von einer erst dem 16. Jahrhundert ange- 
hörigen Hand geschrieben ist. 

Anfang Bl. 12: Do sch da haim auz fur ın dem mut daz 
ich wolt faren ober mer zcu dem heiligen grab vnd czu dem 
gesegeten ertreich daz man ın lateın haisset Terram Promis- 
svonis 

Schluss Bl. 1922: Darumb pit ich all gut christen daz 
sy Got wellen für mich piten mit ainem paternoster de 
warten daz sch den parmherczigen Got in ener welt gern wil 
für euch piten daz vns Got allen verleich durch seiner grunt- 
losen parmherczichayt willen nach disem leben daz ewige 
leben. 

Hierauf folgt in roter Tinte die Schlussschrift, aus 
der sich die Datierung der Hs ergibt: Das puch ıst volbracht 
worden ın der jar czal nach Christi gepurde tawsent vier 
hundert jar dar nach ın dem virczehenden jar an dem nech- 
sten dinstag nach Johannıs Baptiste. Ista est voluntas patrıs 
nostri. 

Gütige Mittelung von dem Direktor der Stadtbibliothek 
zu Breslau, Prof. Dr. M. Hippe. 


6. Bamberg, Staatliche Bibliothek, Mse. hist. 182, fol. 
Papier. 1415. 91 Bll. Bl. 1 unten beschädigt. Von Nicolaus 
Hohenstat geschrieben. 

Anfang Bl. 1%: Do sch von heymen ausz für in dem mut 
das sch wolt faren vber mer tzü dem heiligen grab vnd tzu 
dem gesegenten ertreich das man in lajtei(n) heiszet Terra 
Promissionis 

Schluss Bl. 90°: Darvmb pött ich all gut cristen das sie 
Got für mich wöllen pijten mit einem pater noster denworten 


35 


das ich den parmhertzigen (rot jn yener werli auch gern für 
euch wil pYten vnd das Got allen verleyhe nach disem leben 
das ewig leben. Amen etc. etc. 


7. Klosterneuburg, Stiftsbibliothek, Nr. 1083. Papier. - 
Der Band, der mit mehreren ın Farben und Gold ausge- 
führten Initialen geschmückt ist, hat 228 Blätter und ist 
nach einem Vermerk auf Bl. 219 von Johannes Levoch aus 
Klosterneuburg im Jahre 1425 geschrieben worden. Die 
Mandevillesche Reisebeschreibung umfasst die Bll. 1—173. 
Auf Bl. 174-219 findet sich eine deutsche Uebersetzung 
der Peregrinatio in terram sanctam des Odoricus de Por- 
denone. | 

Anfang: Do ıch von haym aus für ın dem müt das ich 
wolt varen uber mer czu dem h. grab und czu dem gesegenten 
erttreich 

Schluss: Darumb pitt sch all gutt chrısten das sy Got 
für mich wellen pitten mit einem pater noster und der warten 
das ich denn paremherczigen Got in ener welt gern wıl fur 
ew pıitten und das uns Got allen verleich nach dysem leben 
das evig leben. Amen. 


‚ Die Beschreibung dieser Hs verdanke ich Dr. Berthold 
Cernik, Klosterneuburg. 


8. Dresden, Sächsische Landesbibliothek, F 184P, in 
quarto. Papier. Von Ulrich Gampler im Jahre 1433 ge- 
schrieben. Die Hs zählt jetzt 186 Bll; da das dem Text vor- 
angehende Register mit dem Inhalt von fol. liiij) anfängt, 
fehlt wahrscheinlich ein Blatt am Anfang. Rote Initialen 
und Ueberschriften. Randbemerkungen von späterer Hand. 

Anfang Bl. 3%: Do ich von haijmant aue für in dem müt 
daz ich wolt varen vber mere zü dem hejligen grab vnd zü 
dem gesegenten erthreich daz man ın latein haizzet Terra 
Promissionis 


36 


Schluss Bl. 186%b:Dar vmb pitt ich all güt cristen daz 
sy Got wellen für mich pitten mit ainem pater noster der 
worten daz ich den parmherzigen Got wıl geren ın ener welt 
für euch pitten|| vnd daz vns Got allen verleich nach dyjsem 
leben daz ewig leben. Amen. 


9. Maihingen, Fürstl. Öttingen Wallerstein’sche Biblio- 
thek, Hs. I 3 4°. 8. Im Jahre 1434 geschrieben. 

Anfang Bl. 2%: Da ich von heim ausz füer ın dem. müt 
daz ich wolt faren vber mere zü dem hayligen grabe vndzü 
dem gesegenten ertrich daz man nennt Terra Promissionis 

Schluss Bl. 171P: Darvmb pitt ich all güt cristen daz sie 
Got wöllen fur mich pitten mit einem pater noster vnd aue 
maria etz. Anno etc. zazıny completum feria quinta ante 
walpurgis virginis etc. 


10. München, Universitätsbibliothek, 8° Cod. ms. 179. 
Papier. 

Ueberschrift: Jnnomine dominı Amen 1434. Hie hebt 
sich an das puch rittersz herr Johansen von Montafilla wie 
er durch dy werlt gezogen ist etc. 

Anfang Bl. 3%: Do ich von heym ausz für in dem müt das 
ich wolt faren vber mer zu dem heyligen grab vnd zu dem 
gesegentem erttreych das man zu lateın haysset Terra Pro- 
MAISSTONIS 

Schluss Bl. 102b—103%®: Dar vmb pit ich all gut crysten 
das si Got wollen fur mich piten mit || einem pater noster 
vnd aue maria dar vmb das dem parmhertzigem Got jn gener 
werlt fur euch well piten und das vns das allen Got verleich 
nach dysem leben das ewig leben. Amen. 

Darunter: Explicit phermanum Mendel de Valli Angeli 
anno M° ccce’xzxiiij° jn vigilia asumpecionis beate Marye 
virginis etc. etc. Et hoc jussit Conradus Hayden dum tem- 
pus Ambergk etc. 


re 

11. Donaueschingen, Fürstl. Fürstenb. Hofbibliothek, 
Nr. 483. Aus dem Jahre 1435. 2spaltig; die letzte Seite ist 
eine Halbseite.e Von Nicolaus Burger von Weilheim ge- 
schrieben. 

Ueberschrift: Dis büch seit von ainem ritter von Engelant 
der für über mer zu dem haıligen grab. Der ritter hies her 
Hans Mandeuilla. Got gnäde ime. 

Anfang Bl. 1%: (D)o jch von hinnan usz für jn dem müt 
vnd jn der sach das ich wolt faren über mer zü dem hatligen 
grab vnd zü dem gesegnoten ertrich das man jn latın nempt 
Terra Promissionis 

Schluss Bl. 712: Vnd da von so bitt ich all cristan lüt das 
si Got für mich wöllen bitten mit ainem pater noster vnd 
aue marıa den worten das ich den almächtigen Got wıl gern 
für üch bitten hie vnd in jenr welt vnd das vns Got allen 
verlych näch disem leben das &wig leben. Amen. 


12. Wolfenbüttel, Braunschweigische Landesbibliothek, 
Cod. 23. 10. Aug. 4° (v. Heinemann 3274). Papier. 218 Bll. 
Im Jahre 1436 geschrieben. Rote Ueberschriften und An- 
fangsbuchstaben. 

Ueberschrift: Assıt in princıpıo sancta Marıa meo her 
Hans uon Mondauilde dar jnn er sagt uon mangen wunder- 
lıchen läwtten vnd stetten die enhalb des mersz sind etc. 

Anfaug Bl. 12: Do ich von haimen aus für in dem müt 
das jch wolt farn vber mer zü dem haılıigen grab und zü dem 
gesegneten ertreych das man in latın hayst Terram Promis- 
stonis 

Schluss Bl. 2182: Dar vmm püt ich all güt kristen das 
sy Gott wellen fur mich pYtten mit ainem pater noster vnd 
mit ainem aue maria dar vmm so wil jch den parmhertzingen 
Got ın jener weld gern fur sy all pytten und das uns (Got ver- 
leych nach dissem leben das ewig leben. Spricht alle amen 


her Got. 


38 


13. Tambach, Gräfl. Ortenbergsche Bibliothek, Nr. 7, 
fol. Papier. 1444. 63 Bll. 2spaltig. 

Anfang: ... reich vnd bin gevarn durich Armenia das 
gross vnd das klaın durch Tartharey durch Persya durch 
Syrana | 

Schluss: /ch Hans von Montevilla fur aus meyne land 
vber mer do man von ÜOristi gepurt tauset drewhundert vnd 
zwey vnd zwegntzich jar etc. Explicit per me Johen Klen 
tunc temporis in Vilshouen anno domini m? ceccxlüij. 

Vgl. Serapeum Nr. 22 (1842), S. 345. 


14. London, British Museum, Add. Nr. 18026, ın quarto. 
Papier. 1449. 2spaltig. Auf der letzten Seite unter dem 
Texte nennt sich der Schreiber mit Namen: et explicıt per 
rum. | 

Anfang Bl. 12: Do ich von heim ausz fur in dem mut als 
ich wolt faren vber mer zü dem heyligen grab vnd zu dem 
gesegnetten ertrich daz man ın latein heyst Terra Promis- 
sTonTs 

Schluss Bl. 659: Dor vmb pit ich al gut cristen daz sy Got 
fur mich pitten wollent mit einem pater noster dar vmb daz 
ich den paremhertzigen Got in gener welt geren fur euch 
pitten vnd das vns Got allen verleych nach disem leben dein 
daz ewig leben. Amen. 


15. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 594, fol. 
Papier. 107 Bll. Sammelband, von verschiedenen Händen 
geschrieben. Mandevilles Reise findet sich auf Bl. 1—72. 
Das letzte Stück (Bl. 84-107) ist im Jahre 1449 geschrieben. 
Rote Initialen und Ueberschriften. 

Anfang Bl. 1%: Do sch von haım ausz für in dem müt daz 
‘ich wolt varen vber mer zu dem heiligen grab vnd zü dem 
geseyenten ertreich daz man ın lateın haist Terra Promis- 
sıonis 


39 


Schluss Bl. 71P: Darvmb pit ich all güt christen daz sy 
wellen (ot für mich piten mit einem pater noster der warten 
daz ich den parmhertzigen (Got ın ener werlt geren wıl für 
euch piten vnd daz vnsz Got allen verleich nach diszem leben 
daz ewig leben. Amen. 


16. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 4872, ın 
quarto. Papier. 1456. 197 Seiten. Rote Initialen und Ueber- 
schriften. Die Hs ist am. Schluss unvollständig. 

Anfang 8. 69: Do ich von ham aus füer in dem namen 
das ich wolt varen über mer zw dem heyligen grab vnd zw 
dem gesegenten erdreich das man ın lateın haisset Terram 
Promissionis 

Schluss S. 197: Sy sprachen wir begeren chains reich- 
tumbs nicht dann allaın das uns Got geb dy genad. das vns 
das wol gerat was ın vnseren lannden wechst damit wir 
unseren leıb mugen erneren. Anders reichtumbs begeren wir 
nicht in diser werlt. Amen. 

Darunter: Explicit liber per me Johannem Fritzen per 
manus et non per pedes. 


17. Wernigerode, Fürstl. Stolberg’sche Bibliothek, Zb 
25, in quarto. Papier. Am 7. Sept. 1459 beendigt. Die Hs ist 
mit zahlreichen primitiven Tuschzeichnungen von seltenen 
Menschen und Tieren geschmückt. Dem Text voran geht 
auf Bl. 1® eine kolorierte Zeichnung, die »Johannes de 
Montefilla» in ritterlicher Haustracht darstellt. Am Anfang 
und Schluss unvollständig. 

Anfang Bl. 2%: Ich Johannes von Monte filla ritter geborn 
zu Engelland ın einer stat haiszt Sannt Alban fur uusz uber 
mere da man zalt von Cristi gepurt tausend drewhundert 
und zway und zwantzig jar - 

Schluss: Kam wider haym und must rasten von eins 


N Tr a ar er 


40 


siechtags wegen der mich an kam wenn ich gern noch mer 
wunders erfarn hett und wasz aus gewessen zwelff jar. Amen. 


Die Mitteilung verdanke ich Dr. phil. Wilh. Herse. 


18. Basel, Universitätsbibliothek, E II 8, fol. (früher E 
IV 1). Papier. 1460. Sammelhandschrift. 142 Bll. 2spal- 
tig. Mandevilles Reise findet sich auf Bl. 1-54, bzw. 56. 

Ueberschrift: Hie hebt sich an das büch des ritters herr 
Hansen von Mandafılla von Engelland etc. etc. etc. 

Anfang Bl. 1%: Do ich in der meinunge usz reitt und jn 
dem mütt das ich wolt varen jn das gesegnet land uber mer 
das man jn latın nemet Terra Promisyonis 

Schluss Bl. 54P: Dauon bitten ich all getrüawe kristen lüt 
daz sy Got für mich wellent bitten jn den worten das ich den 
almechtigen Gott wil yern für üch bitten vnd das vnsz Got 
verlich nach disem leben das ewig leben des helff vnsz der 
vatter vnd der sun vnd der heilig geist. Amen. 

Auf Bl. 54V bis 56” folgen, wie mir Prof. Dr. G. Binz 
gütigst mitteilt, noch einige Nachträge zu Mandeville. Der 
erste beginnt: Wir dalamaneser almechtiger keiser von Kar- 
tago ein soldan ..., der zweite: Es ıst zu wissen das disz bild 
ist unser fröwen bild ..., der dritte: Ein baldach mächtiger 
kung vnd soldan zu Babilonie ... Schluss: Geben ze kaspaw 
unser geburt lxxxı jar vnsers rıchsz am zwölften jar vnd 
vnser secret etc. 


19. Berlin, Preussische Staatsbibliothek, Ms. Germ. Fol. 
1066 (früher in Efferding; Signatur 55, Nr. 2). Papier. 393 
Bll. Die Mandevillesche Reisebeschreibung umfasst die BIll. 
231—393 und ist von Petrus Seltzem von Santterför im 
Jahre 1462 geschrieben. Nach dem eigentlichen Texte, der 
ın 98 Kapitel eingeteilt ist, findet sich auf Bl. 3902-—-3938 
ein Register. Der Schreiber hat sich vieler kürzeren Interpo- 
lationen schuldig gemacht. Am Schluss unvollständig. Bair. 


41 


Ueberschrift Bl. 231%: Die vorrede des puechs Johannis 
de Monte villa darjnne er vns vast ermandt und weyst ze 
kömen jn vnser erib des verlobtten vnd gehayssen lanndes 
Jherusalem. 

Anfang: Da ıch von haim aus für jn dem muet das ich 
wolt faren vber mer zw dem heiligen vnd gesengtten ertreich 
das man haist in dem lateın Terra Promissioniss 

Schluss Bl. 389: Da pracht mich der siechtumb vm den 
man nennet podogra. Da mit hat das püch ain endt Got der 
herr vns al zw dem hymmelreich sendt. Amen. 


20.‘ Wien, Nationalbibliothek, Cod. 12475, fol. Papier. 
Aus dem Jahre 1465. 139 Bll. 2spaltig. Rote Initialen. 

Anfang Bl. 12: Do sch do hayme ausfur ın dem mut das 
ich wolt faren uber mer tzu dem harlıgen grabe vnd zu dem 
gesegenten ertreich das man in lateın haisset Terram Pro- 
missionis | 

Schluss Bl. 139°: Dorumb pit ich alle gute kristen das sı 
Got wellen fur mich piten mit ainem pater noster den worten 
das ich den parmhertzigen Got jn yener welt geren wıl fur 
euch piten das vns das Got allen verleich durch sein grunt- 
lase parmhertzikait willen noch disem leben daz ewige leben. 
Amen. 


21. Göttingen, Universitäts-Bibliothek, Hist. 823, fol. 
Papier. 1470. I+ 132 Bll., von denen die ersten etwas be- 
schädigt sind. 2spaltig. Rote Initialen und Ueberschriften. 
Auf Bl. 132 nennt sich der Schreiber mit Namen: Finitlus 
ist Iiber ıste per me (onradum Blannckhen de Kyemsee ... 
a. d. 1470. 

Ueberschrift Bl. 1: Ich Hans von Montevilla ritter wol 
ob ıch sein nicht wirdig bin gebornn erzogen ın Engenlandt 
in ainem dorff Sand Alam hat dits buech gemacht ın fran- 
tzoyscher zung. 


42 


Anfang: Do ich von haym ausfuer 
Schluss Bl. 72%: Ich Johans von Montevilla fuer von 


meinem lande ... drewtzehen hundert jar und zvay und 
zvaintzig var... und was enhalb mers untz ... drewtzehen 
hundert und lij ... das evig leben. Amen. 


Vgl. Verzeichnis der Hss ım Preussischen Staate, her- 
ausg. von W. Meyer. I Hannover. 2 Göttingen 2. Berlin 
1893. S. 274. 


22. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 695, in 
quarto. Papier. 1473. Sammelhandschrift. 141 Bll. Rote 
Initialen und Ueberschriften. Die letzteren sind erschöp- 
fend, hören jedoch nach Bl. 21 ganz auf. 

Anfang Bl. 12: Do ich von hayem aus für jn dem mütt 
das ich wolt faren vber mer zü dem harlıgen grab vnd zü 
dem gesegnot ertrich das man in latein haist Terram Pro- 
MISSIONTS 

Bl. 2b: ... dorff das haisset Alan vnd für über mer... 
m Cice vnd xzxij iar(!) 

Schluss Bl. 128P: Dar vmb so will ich den parmhertzigen 
Gott in jener welt geren für sy all pitten vnd das vns (Got 
verleich nach disem leben das ewig leben. Sprecht alle Amen 
herr Got etc. Deo gracias etc. Darunter: 1473 jar an Symon 
vnd Judas anbent. 


23. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 252, fol. 
Papier. 1477—1480. 213 Bll. Sammelhandschrift, enthält 
u. a. ein Fragment von Marco Polos Reise. Die Mandevil- 
lesche Reisebeschreibung umfasst nur Bl. 79—87. Gemalte 
Initialen. Ä 

Anfang: frucht dye vnns hatt erlöszt von dem ewigen 
tode dauon aın yeglicher crıstan der es vermöcht der solt 
geren vnd mit grosser andacht süchen das lanndt das vns 
Gott der herre mit seinem haylıgen plütt geharliget 


43 


Schluss: Vnd ir vatter hiesz Costras oder Ehohels. Die 
selb Elena was Üonstantinus mütter des kayjsers zü. 


24. Heidelberg, Badische Universitätsbibliothek, Pal. 
germ. 806, fol. Papier. 131 Bll. 2 verschiedene Hss; Mande- 
villes Reise steht in Doppelkolumnen auf Bl. 22—-47% und 
stammt aus dem Jahre 1478. Unvollständig. 

Anfang: (D)o ich von haymen ausz fur in dem müt das 
sch wolt farn uber mer zu dem heyligen grab 

Schluss: von den landen die gen orient wercz sein so ich 
aller kurczs kan. Ir sult wissen. 

Vgl. Bartsch, Kat. der Hss der Univ.-Bibl. ın Heidelberg. 
Bd I, 1887. S. 179. 


25. Berlin, Preussische Staatsbibliothek, Ms. Germ. 
Fol. 912. Papier. 15. Jh. 203 Bll. Auf Bl. 145-203» 
Mandevilles Reise in Doppelkolumnen. Rote Initialen und 
Summarien. Nach alter Paginierung lvij Bll. + 3 Seiten 
Register, das von anderer Hand geschrieben ist. Obd. 

Ueberschrift: Hye hebet sich an herrn Johansen ryter 
büch das do genant ıst de Montevilla und sagt gar aygenlich 
alles das er genhalb mers erforn hät. 

Anfang: Do ich von haymen aüsz für in dem müt das ich 
wolt farn vber mer zw dem hejligen grab vnd zw dem ge- 
sengten ertrich das man jn lateın haisset Terra Promissionis 

Schluss Bl. 201°: Dar vmb so bitt ich alle gute crısten 
menschen das sıe Got fur mich wollen pitten sein mitt einem 
pater noster und einem aue maria. 


26. London, British Museum, Add. Nr. 10129, fol. Pa- 
pier. 15. Jh. 

Anfang Bl. 32: Da ich von ham ausz für in dem müt 
daz ich wolt faren zü dem haylıgen grab vnd zü dem ge- 
segenten ertrich daz man in lateın haiszet Terra Promis- 
svonTs 


44 


Schluss Bl. 120%: Darvmb bitt ich all güt crısten daz sıe 
Got fur mich biiten etc. 


27. Maihingen, Fürstl. Öttingen Wallerstein’sche Bib- 
liothek, Hs I 3 fol. 11. Papeir. 15. Jh. 

Anfang Bl. 2%2:Do ich da haıim aüs für indem müt das 
ich wolt faren vber mer zu dem heiligen grab und zu dem ge- 
segenten erdreich daz man inlatein haisset Terra Promis- 
sTonIs 

Schluss Bl. 1382: Darumb pitt sch all gut christen daz si 
Got fur mich piten mit ainem pater noster dewarten daz ich 
den parmhertzigen Got jn vener welt gern will fur euch piten 
daz vns Got allen verleich durch seın gruntlose parmhert- 
zichait willen noch disem leben daz ewig leben. Daz ver- 
leich vns Got der vater vnd der sün vnd der heylig gaist. 
Amen. Deo gratias. Darunter: Scriptus est liber iste per 
me Fridricum de Swobach. 


28. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 299, fol. 
Papier. 15. Jh. 156 Bll. 2spaltig. Rote Initialen und Ueber- 
schriften. 

Anfang Bl. II® (Bl. I fehlt): Do jch von haim aus für 
in dem müt daz ich wolt varn über meer zu dem haylıgen 
grab vnd zu dem gesegenten ertreich daz man ın lateın hayst 
Terra Promissionis 

Schluss: Bl. Cxx@: Dar vmb so pitt jch all güt christen 
daz sy Got wellen für mich pitten mit ainem pater noster der 
wartten daz ich dem parmhertzigen Got ın enr werlt gern 
wil für ewch pitten vnd daz üns Got allen verleich nach disem 
leben daz ewig leben. Amen. Deo gratias. 


29. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 694, in 
quarto. Papier. 15. Jh. 88 Bill. Bl. 22 u. 23 mit 34 u. 35 
verwechselt. Rote Anfangsbuchstaben. Keine Ueberschrif- 
ten. Sehr unvollständig. 


45 


Anfang Bl. 1%: Do ich von haimen aus in dem müt das 
ich wolt varen über mer zu dem heiligen grab vnd zu dem 
gesegenten ertreich das man in lateıin haıst Terra Promıs- 
STonis 

Schluss Bl. 88b: Do sprachen sie das sie chains reich- 
tumbs nicht begerennt wolten wann allaın das sy Got dye 
genad gäb das in jrem lannd wüchse do mit sy iren leıb möch- 
ten erneren. Anders reichtumbs pegerten sy nicht in dysser 
welt. 


30. Salzburg, Stiftsbibliothek St. Peter, B IV 37, in 
quarto. Papier. Wie es scheint, in der zweiten Hälfte des 
'15. Jhs. geschrieben. Rote Initialen und Kapitelüber- 
schriften. | 

Anfang Bl. 1: Jch Johan von Mandevilla ritter do ich 
von haym aus fur in dem mut das ich wolt varen yber' mer 
tzw dem heiligen grab vnd tzw dem gesegenten ertreich das 
man ın lateın haist Terra Promission:s 

Schluss Bl. 122: Darum pitt ich all gut christen das sy 
Got für mich wellen pitten mit ainem pater noster der warten 
das ich den parmhertzigen Got ın ener welt gern für euch 
pitten wiıl und das uns Got allen verlaich nach disem leben 
das ewig leben. Amen. 

Nähere Auskunft über diese Hs verdanke ich den Be- 
mühungen des schwedischen Vize-Konsuls zu Salzburg, 
Herrn Dr. Th. G. Rakns. 


31. St. Paul in Kärnten, Stiftsbibliothek, Cod. Hosp. 
210, in quarto. Papier. Die Schrift dürfte dem frühen 15. Jh. 
angehören. 190 Bll., von denen die Bll. 107—190 die Mande- 
villesche Reisebeschreibung enthalten. Zwischen Bl. 106 u. 
107 sind die Reste von 2 Blättern zu sehen. Am Schluss un- 
vollständig. 

Anfang: Do ich von haım aus für Yjnn dem müt das ich 


46 


varen wolt übir meer zu dem haylıgen grab vnd zu dem hay- 
ligen ertreich das da hayazt ın lateın Terram Promissionis 

Schluss: Nicht verr dauon do sind ... (unleserl. Wort) 
insel die halten auch denselben sitten vnd die gewonhait die 
ın der inseln ıst do ich euch yezund gesagt hab. Die aın 
hayzzt Midreich die ander Geneseph. Die leutt von den- 
selben. 


Die Mitteilung verdanke ich Herrn Prof. P. Th. Raschl. 


32. Wien, Nationalbibliothek, Cod. 2850, fol. Papier. 
15. Jh. 128 BIl., das letzte beschädigt. Rote Initialen und 
Ueberschriften. Randbemerkungen von späterer Hand. 

Anfang Bl. 2%: Da ich von haym aus fur ın dem müt daz 
ich wolt faren über mer tzu dem heiligen grab vnd tzu dem 
gesegenten ertreich daz man ın latein hayszet Terra Promıs- 
sıon.s Ä 
Schluss Bl. 1280: Darvmb pitt ich alle gude kristen das 
sy Got wellen fur mich pitten mit ainem pater noster den 
worten das ich den parmhertzigen Got ın jener welt auch 
gern vmb euch will pitten daz uns Got allen verleich nach 
disem leben daz ewig leben. Amen. Deo gracias. 


33. Nürnberg, Stadtbibliothek, Solger 34, fol. Papier. 
16. Jh. 

Anfang: Do ich von haım auz fur in dem mut daz ich wolt 
varen vber mer zu dem heiligen grab und zu dem gesegenten 
ertrich daz man ın lateın haist Terra Promissionis 

Schluss: Darumb bitt ıch all gut crısten daz sy Got wellen 
fur mich pitten mit einem pater noster der worten daz ıch 
den parmhertzigen Got in jener werlt gern wıl fur ew pitten 
vnd daz vns Got allen verlich nach diesem. leben daz ewig 
leben. Amen. Deo gracıas. 


% % 


47 


Ueber Michel Velser wissen wir nur wenig. Er erzählt 
von sich selbst — ın den Text eingeschaltet — dass er grös- 
sere Reisen unternommen und sonderbare Dinge gesehen 
habe. Nach Cgm 332 führe ich hier einige Stellen im Texte 
an, wo er sich mit Namen nennt. 

Bl. 15%: Aın vntz ist das erst gelid an dem daiwme. Also 
hab ıch Michel Velser jn aıner glos fünden geschriben 

Bl. 222: Es sol ewch nicht aın wunder dünchken wann ıch 
Michel Velser der ditz püch hat zü dewtsch pracht hab ge- 
sehen ainen hunt zü Pauia 

Bl. 74%: Das ıst sicher war. Mich Michel Velser dünch- 
ket aın welisch mei wann er offt aın leg nennet für aın 
welische meil 

Bl. 96%: Ee daz ich fürbaz chüm so wisset das mich Michel 
den Velser von allen sachen die diser edel ritter beschriben 
hat... | 

Im allgemeinen hält sich seine Uebersetzung getreu an 
die gewöhnlichere französische Version. Die Kürzungen 
sind meistens von geringer Bedeutung, Fremdwörter erklärt 
er, oder er gibt zu, dass er sie nicht versteht. Um Unwahr- 
scheinliches in der Reise glaubwürdiger zu machen, ver- 
schmäht er es nicht, mit eigenen seltsamen Erlebnissen bei- 
zutragen. Ob er wirklich, wie Roethe meint, der erste deut- 
sche Uebersetzer von Mandevilles Reise ist, ist ungewiss. 

Wie die Version Ottos v. Diemeringen hat auch die Vel- 
sersche ihren Weg in die Volksbücher gefunden ”. Anfäng- 
lich dürfte sie verbreiteter gewesen sein als die erstgenannte. 

Auf eine Darstellung der Handschriftenverhältnisse 
dieser Version habe ıch verzichten müssen, da mir in man- 
chen Fällen die Benutzung der Hss unmöglich gewesen ist. 


! Vgl. Roethes Artikel über Michel Velser (Allgemeine Deutsche 
Biographie 39: 576). 

? Karl Simrock, Die deutschen Volksbücher. Bd. 13. (Durch Ottos 
Uebersetzung ergänzt). Frankfurt a. M. 1867. 


48 


Es sei hier nur bemerkt, dass die Behauptung Bovenschens', 
die deutschen Hss der Velserschen Fassung hätten durch- 
gängıg den Fehler Alan, Alaun, Alon, der also schon der 
Vorlage oder mindestens der deutschen Originalübersetzung 
zuzuschieben wäre, nicht zutreffend ist. Die Wernigeroder- 
Hs Zb 25 liest nämlich Sannt Alban. 


Ö. Uebertragungen aus dem Niederländischen. 


1. Berlin, Preussische Staatsbibliothek, Ms. Germ. Fol. 
550. Pergament. 14. Jh. 83 Bll. Vom ersten Blatt des Tex- 
tes ist nur ein Bruchteil bewahrt, vom zweiten fehlt unge- 
fähr die Hälfte. Die SS. 7—44 sind unten beschädigt. Rote 
Initialen und Alphabete. Ergänzungen von späterer Hand. 
Auf Seite 94 (entspr. Cramer 141,2-5) und S. 115 (entspr. 
Cramer 174,#7—175,) ist der Text sorgfältigt ausradiert. 
Die Hs ist am Schluss unvollständig. Sprache Ripuarisch. 

Ueberschrift: Jn dem namen ... vns unse kinder. 

Anfang: Want da... datheu...iddatv....ouerste... 
heiliget und gecons ... durbaıren bloide vn ... beheygelich 
was jnd 

Schluss S. 166 (= Cramer 259,12-14): Bi deisem koninc- 
riche sint zwey andere eylande de eine heyst Orille vnd dat 
ander Argıtte. Vnd al dat lant van deisen eylande. 


2. Berlin, Preussische Staatsbibliothek, Ms. Germ. Quart. 
271. Pergament. 14. Jh. 131 Bil. Nach Bl. 7 Lücke von 
acht Bll. (entspr. Cramer 10,5—26,7), die wahrscheinlich 
schon beim Einbinden vorhanden war, da sie bei der Blätter- 
zählung nicht berücksichtigt worden ist. Bl. 2P unbeschrie- 
ben. Rote Ueberschriften, Anfangsbuchstaben und latei- 
nische Zitate. Auf Bl. 131® befindet sich ein Lanzenritter in 
verschiedenen Farben nebst einem von anderer Hand ge- 


ı A.a. O. S. 182. 


49 


schriebenen Vermerk: Jn jaeren vns herrn M cccc ix. Dem 
in 64 Kapitel. eingeteilten Texte geht auf Bl. 1?—2% ein mit 
roter Tinte geschriebenes Register voran. Sprache Ripua- 
Tisch. 

Bl. 12: Dit is die torffel inde capittele dis büschs wie man 
yegelichen sın süken sal na deme gezale als her näü geschreuen 
steyt ın den eirsten. 

Bl. 3% Ueberschrift: In (de)n name des uaders inde des 
soins inde des heyligen geystes. Amen. 

Anfang: Want dat also is dat lant van Öuer mer dat ıs zu 
wissen dat heylige lant der geloueden vnder alle anderen 
landen is dat vszircorenste ıinde wertste inde vrouwe inde 
öuerste under allen anderen inde bouen allen anderen lande 

Schluss Bl. 1312: inde alle denc ıinthaldende wilche geyn 
güit in mach besseren noch geyn quoit in mach ergeren de in 
volcomender driueldicheyt leift inde regniert ın der ewicheyt 
inde ın allen ziden. Amen. 


3. Berlin, Preussische Staatsbibliothek, Ms. Germ. 
Quart. 322 (früher in der Bibl. Paulina zu Münster). Pa- 
.pier. 14. Jh. 215 Bll., von denen 2 unbeschrieben sind. Die 
letzten Bll. oben beschädigt. Beim Einbinden sind BI. 2 u. 
9 verwechselt worden. Weiter muss auf Bl. 97 Bl. 105 folgen. 
Raum ist gelassen für die Initialen. Der Text bricht auf Bl. 
213b (= Cramer 248,10) unvollständig ab. (Die Bemerkung 
ım handschriftlichen Katalog der Staatsbibliothek »reicht 
nur bis zum Ende d. 4.: Buches» trifft nicht zu, da die Ein- 
‚teilung in Bücher für die Diemeringensche Version bezeich- 
nend ist, nicht aber für die dem Ndl. entstammenden Hss.). 
Sprache Niederdeutsch. 

Anfang Bl. 12: Want dat also... (Loch)dat dat lant van 
ouer meer ıs dat hillige lant der gelofften vnder allen an- 
deren landen ıs id dat viterkorenste vnd dat werdigeste vnd 
vrouwe vnd ouerste van allen landen 

4 


50 


Schluss Bl. 2136: Jn desen lande vnd in al Indien syn 
harde vele cocodrillen als ick hıjr vor sede. Des nachles 
wonen se in water und des dages vp dem lande ın roetzen van 
der erden. 


4. Düsseldorf, Staatsarchiv. 1 Bl. Pergament in gr. 4°. 
14. Jh. 2spaltig. Ndrh. Der Text (entspr. Cramer 261,7 — 
264,14) ist abgedruckt von Crecelius, Altdeutsche Neujahrs- 
blätter für 1874. S. 88. 

Anfang: yn kan gesien dae de mure af gemaecht is 

Schluss: va vınme man ... ger hande vermerlichs volx 
wil ... de men yn desen eylanden vn yn. 


Vgl. Borchling, IV. Reisebericht, S. 76. 


5. Berlin, Preussische Staatsbibliothek, Ms. Germ. Fol. 
204. Papier. 1430. Die Hs war bis vor ein paar Jahren an 
den Inkunabel Summa Johannis Thodude, ımpr. Magdeburg 
1498, angebunden. Der Band besteht aus 162 beschriebenen, 
etwa 150 unbeschriebenen und 2 Inkunabelblättern. Auf 
dem inneren Deckel findet sich ein Vermerk: Ex bıbl. Frid. 
Jac. Roloff. Zwischen den Bll. 87 u. 88 sınd eingefügt zwei 
dünnere, nicht paginierte Blätter mit Federzeichnungen im 
Anschluss an den Text, auf denen man liest: Von den Pla- 
neten und Himmlich Zeichen. Der untere Teil von Bl. 1 ist 
beschädigt. An der unteren rechten Ecke von einigen Bl. 
finden sich Spuren einer älteren Paginierung. Die Hs wird 
von mehreren Bildern geziert. Die Anfangsbuchstaben des 
dem Text vorangehenden Registers sind rot durchstrichen, 
die Initialen sind sonst abwechselnd blau und rot, die Ueber- 
schriften und die Paginierung rot. Das Anfangs-W des Tex- 
tes ıst schön illuminiert. Bl. I—VII2 enthalten das Inhalts- 
verzeichnis mit Ziffern, die auf die entsprechenden Seiten 
des Textes hinweisen. Stellenweise sind diese Ziffern von 
einer späteren Hand in moderner Form nochmals geschrie- 


dl 


ben. Auf Bl. VII2 steht ın roter Schrift: Jn anno 1430 was 
dit bok gescreuen. Auf Bl. 1510—1522, von späterer Hand: 
Von den 10 Creisse Jn Teutschlande. Die Bll. 153—155 ent- 
halten einen von späterer Hand geschriebenen Index. Am 
Rande wird mehrmals durch gezeichnete Hände auf beson- 
ders wichtige Stellen des Textes hingewiesen. Unter dem 
Text und auf dem Rande finden sich Zitate aus Sebastian 
Münsters Kosmographie', aus der Reisebeschreibung des 
Hieronymus Scheidt von Erfurt” u. a. m. 

Nicht weniger als 17 Alphabete sind in dieser Hs ver- 
zeichnet, u. zw. 

Bl. VII@: littere hebrayce und littere judenrum 

» VII: » grecorum in Iherusalem 

» 10%: Iitteras capıtales grecorum 

» 252: ein »ägyptisches» Alphabet 

» 30%: ohne Ueberschrift | 

» 8322: Ilittere sarracenorum qui sunt sub soldano vel 

calıphem 
- » 516: Tittere beate judeorum 

» 622: ein russisches Alphabet 

» 636: Tittere slauorum 

»  68P: in sarrazynsz ofte heydensch 

» 73b: ein »persisches» Alphabet 

» 752: ein »chaldäisches» Alphabet 

» 916: Littere de Jndia et Etiops 

» 1086: Iitteras tartarorum 

» 1252: Iittere georgianorum 

»  151@: » sarracenorum scilicet turcorum. 

! Sebastian Münster (1489—1552) war allgemein bekannt durch 
seine Cosmographia, eine Beschreibung aller Länder Sitten, Glauben 
u.8.w. Das Werk wurde ins Lateinische, Italienische und Französische 
übersetzt. Vgl. A. D. B. 23,30. 

? Palästinareisender, geboren 1594 zu Erfurt. Seine im Jahre 1616 


erschienene Reisebeschreibung ist wegen der vielen spannenden Aben- 
teuer, die sie enthält, sehr beliebt gewesen. Vgl. A. D. B. 30,712. 


52 


Anfang des Textes Bl. 1%: Wante also ıs dat land van 
ouer see dat men heet dat hılge land van beloften vnder 
andere lande is dat vterkarneste vnde dat werdigeste vnde 
dat ouerste vnde vruwe van anderen allen landen 

Schluss Bl. 1512: alle dingk heuet ın syn walt den wel- 
ken nen guet mach vorbeteren edder gheyn qwat mach ge 
ergheren de in vullenkomender glorie unde richeit leuet unde 
regneret in der ewicheit jn secula seculorum. Amen. 

Die Hs ist von vier Händen geschrieben. 

Hand 1 (Bl. IA—-1272) hat eine sehr schöne, leicht les- 
bare Schrift, die sich von derjenigen von Hand 2 und Hand 4 
stark abhebt. 

Hand 2 (Bl. 127b—137P, 138b—-150®) schreibt auch sehr 
deutlich; seine Schrift, 2 sich auch in orthographischer 
Hinsicht von der von Hand 1 unterscheidet, wird jedoch 
gegen Ende des Werkes etwas nachlässig. 

Hand 3 (Bl. 1382) erinnert sehr an Hand 1. 

Hand 4 (Bl. 150P [De beslutinghe des bokes] —1512) hat 
eine gewandte Schrift, die derjenigen von Hand 2 ähnlich 
ıst. Diese Schreiber unterscheiden sich indessen in der Ortho- 
graphie, indem Hand 4 mehr zu der Schreibweise von Hand 
1 neigt. 


6. Lüneburg, Stadtbibliothek, Ms. C 8, fol. Papier. 15. 
Jh. 168 beschriebene und 10 leere Bll. Rote Initialen und 
Ueberschriften. Das Anfangs-W wie ın Ms. Germ. Fol. 204. 
Die alte Paginierung ist jetzt durch eine zeitgemässere er- 
setzt. Die Hs wırd von ungefähr denselben Bildern und 
Alphabeten wie Ms. Germ. Fol. 204 geziert. Auf S. 3—13 
dasselbe Inhaltsverzeichnis wie ın Nr. 5. 

S. 15 Ueberschrift: Jncipit liber ordıne bono etc. 

Anfang: Want dat also is dat dat landt van ouersee dat- 
men hetet dat hilghe landt van belusten under alle anderlande 


53 


is dat dat uterkornste vnde dat alder werdeste vnde dat alder 
ouerste vnde vroude van allen andern landen 

Schluss S. 316: alle dingk heuet in sın gewalt den welken 
nen guet mach vorbeteren edder gheyn qwat mach vor argeren 
de in vullenkomender glorie vnde richeit leuet vnde regneret 
ın der ewcheyt jn secula seculorum. Amen. 

An der Hs sind zwei Schreiber tätig gewesen. Der An- 
fang des Werkes bis S. 120 ist das Ergebnis der Mühe eines 
weniger gewissenhaften Schreibers, während der letzte (grös- 
sere) Teil eine genaue Abschrift der Vorlage sein dürfte. 


7. Soest, Stadtbibliothek, Nr. 28, fol. Papier. 15. Jh. 
Sammelband. 2spaltig. Mandevilles Reise umfasst 92 BIll. 
ın nd. Sprache, von denen das erste Blatt, das die Inhalts- 
angabe der Bll. 1—17 gibt, nicht numeriert ist. Bl. 1 ist nur 
zu einem Bruchteil vorhanden, Bl. 12 fehlt ganz. Bl. 89 ist 
auf der ersten Seite unbeschrieben, auf der zweiten befindet 
sich die Inhaltsangabe der folgenden lat. Hs. 

Bl. 90—92 enthalten ein vollständiges Register der Man- 
deville-Hs. Dieses Register stammt nach einer Angabe am 
Schluss von einem Mönch Johannes Köp(?) aus dem Soester 
Orden Fratrum Predicatorum vom Jahre 1490. 

Anfang Bl. 1%: Van den lande van ouer zee dat ıs to wet- 
tene dat hillige lant der geloffte vnder allen landen so ıs dit 
dat vterkorenste vnde dat werdigeste und vrolıkeste vnde 
ouerste van allen anderen landen 

Schluss Bl. 884: vunde alle dinck entholdene welken nyn 
göt en mach vorbetteren noch nyn quät en mach ergeren de 
yn vullenkomener dreuoldicheyt leuet uvnde regneret yn der 
ewicheyt yn allen tyden eme sy loff vunde ere eweliken vnde 
jummermer. Amen. 

Keine Alphabete sind in dieser Hs aufgezeichnet, u. zw. 
weil des en ıs nyn groet noet to wettene hir vmme laet ıck se 
staen (Bl. 15 a). 


54 


Die unter © angeführten Hss sind sämtlich aus dem Mit- 
telniederländischen übertragen. 

Ein kritischer Text der ndl. Mandeville--MSS ist, wie 
schon erwähnt, von N. A. Cramer herausgegeben. Die ndl. 
Ueberlieferung besteht aus folgenden Hss' 


1. Leiden, Univ.-Bibl., Geel Nr. 661. 15. Jh. (=L) 

2. Göttingen, Univ.-Bibl., Histor. 823 b. 15. Jh. (= G) 
3. Brüssel, Königl. Bibl., Nr. 720. 15 Jh. (=B) 

4. Haag, Königl. Bibl., Y 302 (1191). 1462 (= H) 


Ausserdem hat Cramer den Druck vom Jahre 1470 (= I) 
zur Vergleichung herangezogen. Für seine Untersuchung 
benutzt er weiter zwei frz. MSS, die Leidener-Hs Vossianus 
Latinus 75 (=F) und die in Warners Mandewille- Ausgabe 

abgedruckte Hs (= W). 

Aus Cramers Untersuchung erhellt, dass es zwei ndl. 
Fassungen gegeben hat, beide aus dem Französischen über- 
setzt. Die eine, die das ganze Werk umfasst, ist vertreten 
von HIGB und dem letzten (grösseren) Teil von L (=Lb). 
Die andere, die nach den noch erhaltenen Hss zu urteilen 
fragmentarisch geblieben ist, findet sich nur im ersten (klei- 
neren) Teil von L (=La). Dass sie nicht etwa Ueberset- 
zungen einer und derselben frz. Hs. sind, geht aus verschie- 
denen Stellen hervor, an denen die beiden Fassungen er- 
heblich von einander abweichen. Im allgemeinen bietet die 
Version La die besten Lesarten; in einem Fall wird jedoch 
der Uebersetzer der anderen Fassung kaum, wie Cramer (p. 
XLIX) meint, seine Vorlage missverstanden haben, nämlich 
bei Cr. 21,9. In der frz. Vorlage von HIB stand unzweifel- 


! Borchling, Erster Reisebericht, S. 174, verzeichnet ein von Cramer 
nicht beachtetes mndl. Mandeville-Bruchstück: Lüneburg, Stadtbiblio- 
thek, Mscr. D 25 (2). Rest eines Pg.-Doppelblattes in quarto. 15. Jh. 
2spaltig. Anfang (entspr. Cramer 262,30): ander riuiere heet Nil och te 
Gvon. Dats te segghene in egypscher spraken tourble dat es donker. 


er et 1a Tas Ar An nee er Bath Se ne SCH 
Be N a a a a er ae IE TER TI IT TR re 


55 


haft, übereinstimmend mit den Brüsseler Hss 10420—5 und 
11141, nicht remua, sondern remira, was der Üebersetzer 
richtig durch besach wiedergibt, während La die, wie es 
scheint, falsche Lesart remua mit dede beven überzetzt. 

Binnen der erstgenannten Gruppe stehen HIG und BLb 
sich gegenüber, von HIG sind I und G näher verwandt. Für 
seine Textausgabe hat Cramer die Hs H als die zuverläss- 
lichste gewählt. | 

Die deutschen Handschriften gehen sämtlich auf ndl. 
Hss der Gruppe HIGBLb zurück. Sie werden im folgenden 
bezeichnet: | 


Ms. Germ. Fol. 550 = Be 
Ms. Germ. Quart. 271 = Br 
Ms. Germ. Quart. 322 = Bl 
Ms. Germ. Fol. 204 = Bi 
Ms. C8=Lü 

Ms. Nr. 8 =S 


(Das Fragment [Nr. 4] ist hier nicht berücksichtigt 
worden.). 

Keine von den Lesarten, die Cramer als charakteristisch 
für La anführt, klingt in den deutschen Hss an. So ent- 
spricht z. B. die Lesart von HIG (Cr. 10,): Want een coninc 
die wilen was cofte dese heylighe jvwele jeghen enen keyser 
diese hem vercofte ouermids groten noot van gelde die hi hadde 
derjenigen von Be: Want eyn koninck die wilen was galt 
derse heilige jüwele ıntgaın eynen keyser de sy verkoichte 
ouermitz groisse nort van gelde die hie hadde, von Br: W. e. 
c. d. w. w. g. dıt cleynheyt wıidder e. k. d. s. eme v. 6. 9. n. 
v. g., von Bl: W. e. k. d. w. w. k. se tegen e. k. de do was de 
se in noden verkofft van geldes wegen de he hadde, von Bi': 
Wente in vore tyden was en konıgk de kofte desse clenode 


! Wie im folgenden erwiesen werden wird, sind Bi und Lü so 
eng verwandt, dass es im allgemeinen genügt, nur Bi anzuführen. 


56 


vegen enen keyser de se em vorkofte vmme notsake van gelde 
de he do hadde, und von S: W.e. k. was vormals de koffte d. 
hildome kegen e. k.d. s. v. vmme g.n. de he hadde van gelde, 
während La hier bietet: Want een conınc hier voertijts die 
cochte dese heilige reliquien vegen die Joden die welke die 
keiser te wets geset had bı groter noot van ghelde. 

Auf den ersten Blick könnte es scheinen, als wenn H und 
die deutsche Ueberlieferung gegenüber IGBLb eine engere 
Gruppe bildeten. Bei Cr. 157,27 stimmt I mit dem frz. Text, 
bei Or. 159,20 und 172,8 gehen IB und F zusammen, während 
in diesen Fällen H und die d. Hss ihren eigenen Weg gehen. 
Im ersten und dritten Fall handelt es sich aber um kleinere 
Lesefehler (et, ende-want; coment ils le deyuent garir. hoe 
sine ghenesen sullen-h. hine g. sal), im zweiten um eine even- 
tuelle Lücke in I u. B. Der Vollständigkeit wegen seien 
auch folgende zwei Fälle erwähnt: bei Cr. 164,12 lesen IB 
tiden, H und die d. Hss jare; bei Cr. 186,17-30 bewahren wohl 
H und die d. Ueberlieferung die ursprüngliche Wortfolge, 
obgleich die von Cramer nach I vorgenommene Änderung 
: a priori berechtigt scheint. 

In Wirklichkeit dürften von den deutschen Hss nur Bi 
und Lü mit den noch erhaltenen ndl., und zwar mit der 
Gruppe HIG, näher verwandt sein. Sonst finden wir bloss 
einmal in S einen Wiederhall eines in H, I und G enthal- 
tenen Lesefehlers, nämlich bei Cr. 61,4 (HIG): Ende sult 
weten dat Jherusalem bi tiden wilen plach te heten Melch:- 
sedech ende plach ooc te heten Jhebus, entsprechend dem frz.: 
et poez sauoır que Jerusalem ancıenement vesque au temps 
Melchisedech estoit apelle Jebus. Hier bietet S: Iherusalem 
plach to heten Melchizedech vnde oeck Jebus vnde Salem 
gegenüber der richtigeren Lesart von Be (Br): I. wilne by 
tziden Melchisedech plach zo heyssen Iebus und der verstüm- 
melten von Bl: J. eyns plach to heyten Iebus. S ist indessen 
eine ziemlich späte Handschrift, die zahlreiche Lesefehler 


—————n en Tr en GE EEE GE nn en —_ 
BT 2  m——n £ Pe = 


Be nn . a TEN BE Pd 2 2 Zee 


57 


enthält, weshalb diese isolierte Uebereinstimmung mit der 
Gruppe HIG auf die Rechnung des Zufalls geschrieben wer- 
den dürfte. 

Bi und Lü stehen, wie gesagt, dieser Gruppe sehr nahe. 
Den graphisch leicht erklärlichen aber sinnwidrigen Lese- 
fehler (Cr. 98,1): lande van Gherascens, die alle sijn omtrent 
deser Jordanen ende begrauen ane die zee van Tyberien 
finden wir in sowohl HIG als Bi und Lü. Ebenso gehen 
in dem oben erwähnten Fall (Cr. 61,3) BiLü und HIG zu- 
sammen, während an mehreren anderen Stellen die beiden 
deutschen Hss die ursprünglichen Lesarten besser bewahren 
als HIG. 

Auf eine engere Verwandtschaft zwischen H und BıLü 
deuten eine Anzahl für diese Hss gemeinsame Lesarten. Ich 
führe hier an: 

H (Cr. 4,33) bietet: volk ... van menigherande maecsele 
van lieden (statt leden). 

Bi liest: schepnisse van luden. 


H (Cr. 25,21) ergänzt: droech die sterke Sampsoen die 
poorten van der stat op een hoghe lant. 

Bi ebenso: droch de grote Sampson de porte van der 
stad vp e. h. berch, während in den übrigen Hss v. d. s. 
fehlt. Auch in der frz. Ueberlieferung fehlt eine entspre- 
chende Lesart. 


IGF (Cr. 74,#) erzählen vom Lahmen am Teiche Pro- 
batica Piscina, dass er 38 Jahre krank gewesen sei, BeBrS 
lesen 18, während H und Bi übereinstimmend die Dauer 
seiner Krankheit auf 14 Jahre herabsetzen. 


H (Cr. 93,19) hat die falsche Lesart: dat wijfkijn van 
Cananee, van welker stat dat ewangelium hier of spreect. 
Bi liest: d.w.v. C(.vanwelkerstadd.e.s. 


..——rnnfs 


58 


Cramers nach GBF rekonstruierter Text lautet: d. w. v. 
O., daer d. e. o.s. Be und Br bieten Varianten, die uns über 
die Entstehung der Lesarten von H und Bi belehren, näm- 
lich: wijfgyn (w. uan Br) O. van der wilcher dat euange- 
lium (d. der euangeliste Br) spricht. Ä 


H und Bi (Cr. 107,3) lesen: (in) menigher (hauene), 
während die übrigen Hss bieten: enigher, eynen u. Ss. w. 
Dass Bi und Lü nicht auf H zurückgehen, erhellt aus 
einer Reihe von Fällen, in denen H verdorbene Lesarten 
oder Lücken aufweist, Bi und Lü hingegen Richtiges bieten. 


Unter der gesamten ndl. und d. Ueberlieferung dieser 
Version nimmt die Hs Be eine Sonderstellung ein. Wahr- 
scheinlich ist sie die älteste, ein Umstand, der bei der Be- 
liebtheit von Mandevilles Reise und dem daraus folgenden 
raschen Umsatz der Abschriften nicht belanglos ist. Ab- 
gesehen von solchen Verschreiben und Lücken, die in den 
meisten Abschriften vorkommen, dürfte diese Hs ein im 
ganzen zuverlässiges Bild der ursprünglichen Lesarten lie- 
fern. Ihr am nächsten an Ueberlieferungstreue kommt 
unter den deutschen Hss Br und unter den niederländischen 
H. Be und Br stehen einander nahe, oft gehen sie bis in 
Einzelheiten zusammen, ohne jedoch von einander abhängig 
zu sein. Br ist aber nicht so genau wie Be; unwesentliche 
Worte sind oft übersprungen, Lesefehler kommen nicht Sel- 
ten vor. Der Schreiber hat sich sogar einige kürzere Inter- 
polationen erlaubt. Gegenüber HBeBrBiS nimmt BI eine 
verhältnismässig selbständige Stellung ein. In einem der 
obenerwähnten Fälle (Cr. 74,3) z. B. gibt Bl (nebst IG) die 
richtige Zahl 38, während HBi einerseits und BeBrS ander- 
seit UDEIeaBe Angaben gewähren. In zwei anderen Fällen 
(Cr. 171.2: van dyen lande und 185,27: volc), sind nur I und 
Bl vollständig u. s. w. 


59 


Es ist nicht ausgeschlossen, dass zwischen Br und S eine 
etwas engere Verwandtschaft besteht. Darauf deuten mehrere 
in diesen Hss vorkommende Lesarten. Es handelt sich in- 
dessen hauptsächlich um kleinere Abweichungen, die sich 
rein graphisch erklären lassen oder aber ganz zufällig ent- 
standen sein mögen. Ich führe an: 

Von der am Christi Kreuz befestigten Tafel für die In- 
schrift wird angegeben, dass sie anderthalb Fuss lang sei 
(Cr. 8,1). Br und S wissen Genaueres zu erzählen über die 
Grösse der Tafel, jedoch stimmen ihre Masse nicht ganz. Br 
berichtet: nde was eynen vüis breyt jnde eynen haluen lanc 
und S: eynen haluen voet breyt unde eynen voet lanck. 

Die ndl. Hss lesen (Cr. 93,5): Ende daer omtrent loopt 
een riuiere Torrens Asson, diemen anders heet Torrens Ra- 
daunm. Br (SBiLü) kurz und gut: Dä hervmb löuft dat riu:- 
ere dat man heyst Torrens Radamy,. 

Cr. 109,25 ist vom Lande Cananee' die Rede. BrSBiLü 
lesen: dal uan Ü. statt lant u. Ü. 

Cr. 134,1-3 verwechseln Br, S und H slenker und rechter. 

Cr. 149,11 lesen S und H bouen, Br äuen für binnen. 

Cr. 177,37 bietet H (u. Be): Van deser stat gaet men te 
water spelende ende solacerende, Br und S: spe- 
lende inde spacieren, B: op dwater spacieren, 
Bi: spaceren vmme Llusticheit und Bl: geyt men 
spelen. 


Da die Hss Bi und Lü eine interessante Ueberarbeitung 
des ndl. Mandeville bieten, habe ıch sie sprachlich und in- 
haltlich näher untersucht. Wie schon erwähnt, weist Bi ein 
einheitlicheres Gepräge auf als Lü. Obwohl der letzte (grös- 
sere) Teil dieser Hs mit Bi gleichwertig ist und auch der 


! Cramer nur so. Die d. Hss lesen Camilee, Camle, Damiloe 
u. 8. w. Jacques de Vitry: Camela seu Chamele. Vgl. Hamelius, 
M. T., II: 150. 


60 


erste Teil in einigen Fällen bessere Lesarten liefert, hat die 
Hs Bi als Ganzes betrachtet den Vorrang. Von S. 121 in Lü 
(—= Anfang von Hand 2) stimmen die beiden Hss fast buch- 
stäblich überein: dieselben Buchstaben gross geschrieben, 
rot durchstrichen oder sogar dieselbe auffallende Form bei 
gewissen Buchstaben. Es ist demnach nicht unwahrschein- 
lich, dass Bi und Lü ohne Zwischenglieder auf eine und die- 
selbe Vorlage zurückgehen. Wie mehrere kleinere Lücken 
und Verschreiben in Bi zeigen, kann Lü keine Abschrift von 
Bi sein; wir dürfen deshalb annehmen, dass Bi — d.h. 
Hand 1 — nicht nur den Sachinhalt, sondern auch die grosse 
Mehrzahl der sprachlichen Eigentümlichkeiten der gemein- 
samen Vorlage (= N) bewahrt. Um ein sichereres Bild der 
Sprache von N zu gewinnen, habe ich Bl. I-78 von Bi 
genau untersucht und mit den entsprechenden Seiten von 
Lü verglichen. 

Soviel ich sehe, muss der Grundcharakter der Sprache 
von N nordniedersächsisch gewesen sein. Indessen kommen - 
in Bi und Lü Wörter und Wortformen vor, die der nd. Ge- 
meinsprache fremd waren, wenigstens zu der Zeit, wo N ent- 
standen sein mag, d. h. um 1400. Die wichtigsten Abwei- 
chungen sind folgende: 

Das Verbum sollen wird mit anlautendem s geschrieben. 
Nur 7 Belege kommen ın Bi für schal vor und 2 für scholde. 

Ausser der synkopierten Form hef(f)t für die 3. Person 
Sing. vom Verbe hebben ist die ältere Form heuet sehr häufig. 
Das Verhältnis von heft und heuet ıst in Bi etwa 4: 3. Auf 
Bl. 686—78b hat Bi in Uebereinstimmung mit Lü nur heuet 
(8 Belege). Es ist wahrscheinlich, dass die letztere Form in 
N häufiger vorkam, als aus Bi zu ersehen ist. Einmal hat 
Bi nämlich heft, während die Hs Lü, die die Ueberlieferung 
stellenweise treuer als Bi zu bewahren scheint, heuet schreibt. 

Sowohl die Formen mit anlautendem s im Verbe sollen 
wie auch die Häufigkeit der Form heuet sprechen für ent- 


En e 4 2 D 
JB m nn nn nn nn 


61 


weder westfälisches oder nordöstliches Sprachgebiet. Nach 
Tümpel' behauptet sich mnd. hevet bis nach 1400 nur in 
Westfalen und den Ostseeprovinzen, ist aber auf dem übrigen 
Gebiet durch heft verdrängt. Von dem Westfälischen kann 
in diesem Fall keine Rede sein, wie die alleinherrschenden 
wol, vrunt und die nicht seltene Vorsilbe :r- gegenüber den 
gewöhnlichen westfälischen wal, vrent, vrınt, vront und er- 
zeigen. Bleibt also übrig dıe nd. Sprache in den altpreus- 
sischen Provinzen, den Ostseeprovinzen, den deutschen An- 
siedelungen in Russland u. s. w., wo sal, solen, sulen und 
heuet häufig sind ”. 

Nach Bi und Lü zu urteilen, wurde in N regelmässig ein- 
faches y an- und inlautend (in der Gemination -gg-) ge- 
braucht, was sehr gut mit der Orthographie des nordöstlichen 
Gebiets stimmt. 

Für den Osten spricht ferner der Umstand, dass in Bi 
und Lü ein ganz besonderes Interesse an russischen Verhält- 
nissen bekundet wırd. Die Wiedergabe des russischen Alpha- 
bets nebst den Namen der Buchstaben kommt m. W. in keiner 
der übrigen Mandeville-Hss vor. Ebenso fehlen in den mir 
bekannten Hss die Erwähnung von Nowgorod, Moskau und 
Pleskow wie auch ein Passus von dem Handelsweg der Rus- 
sen nach Damaskus und Elcay. Ich führe hier nach Bi die 
betreffenden Stellen an: 

(Cr. 110,12) So tuth men erst vth dorch Alkali edder 
dudesch land uvnde dor Bemen vnde also vort wente in Prusen 
vnde vort ın Littouwen, so men vort ouwer dat 
Tatersuelt datsere groetvnde wıjt is. 

(Cr. 111,23) dar by solde ik des nıcht konen recht seggen 
edder wol vorclaren. Wente alse de russen willen 
treckenvan Nougardenoftevan Muschouwen 

1 Niederdeutsche Studien, Bielefeld u. Leipzig 1898. 8 23. 


2 Vgl. Lasch, Mnd. Gram. Halle 1914. $ 443, und Tümpel, Nd. 
Studien, 8 24. 


62 


ofte van Plescow edder vth anderen steden 
vth Russland ofte vth Lethouwen, deto Caffa 
ofte vort to Damasko willen myd erer kopen- 
schopoftevortto Iherusalem edder noch vor- 
der wente to Elcay ın Egipten, dar plegen se 
woltho trecken, wente Russlandt is eyn sere 
groetlantvnde ditere boeckstaue in rusch. 
Wie zu erwarten, ist die frz..ndl. Abstammung nicht 
ohne Einfluss auf die Sprache von N gewesen. Er macht 
sich hauptsächlich bemerkbar durch eine Anzahl Lehnwörter, 
die allerdings in Bi häufiger vorkommen als in Lü, wo sie 
teilweise von Hand 1 durch geläufigere niederdeutsche Wör- 
ter ersetzt oder einfach ausgemustert worden sind. Ich führe 
hier einige Belege an: 
Bı Bl. I@: gedestrueret, Lü vorstoret 
Cr. 1,7 ghebenedijt, BiLü g(h)ebenediet; Cr. 84.24 bene- 
dietien, Bı benedizie, Lü benedixen | 
Cr. 38,1 (= Lü) conduten, Bi caduten 
» 43,31 (= Bi) serpenten, Lü serperten 
» 49,23 root, Bi rot, Lü röt (Nebenformen in Bi u. Lü 
ritze, [steen Jrutze) 
Cr. 51,31 celebree(r)t, Bi celebrerde, Lü f£. 
» 56,19 spelunke (= BiLü) 
» 96,15 transfigureerde, BiLü transfigurerde. 
Auf hochdeutschen Einfluss deuten folgende Belege in 
Bi und Lü: 
Bi Bl. 162 hat sch (Lü hadde ik); Bl. 66% jch (= Lü) 
» » 29% mych (Lü my) 
18 Belege für sich, Lü 3 Belege 
Bl. 22b thut, (Cr. 40,7 doet, Lü deyt) 
» » 60% tormen (=Lü; Cr. 108,10 toornen). 
Die hd. Formen waren vielleicht in N häufiger als aus Bi 
direkt hervorgeht. Den 3 Belegen für sich ın Lü entsprechen 
nämlich s:k-Formen in Bı. 


Y 


NZ 


63 


Schliesslich sei hier auf eine graphische Eigentümlich- 
keit verwiesen, die auf N zurückgehen muss, da sie nicht 
nur in Bi auftritt, sondern auch von Hand 2, Lü, gebraucht 
wird. In einigen Fällen hat der Schreiber den Nasalstrich 
vergessen oder vielleicht absichtlich ausgelassen. Letzteres 
kann im Wort für König (konigk, konick, konig) der Fall 
sein. Die Formen ohne Nasalstrich sind in Bı ungefähr 
doppelt so zahlreich als die mit diesem Strich. Eine laut- 
liche Erscheinung liegt wohl kaum dieser Schreibung zu- 
grunde, denn die flektierten Formen haben überall den Ab- 
kürzungsstrich, und penningk, penninge weisen die regel- 
mässigen Formen auf. 

Bi, Hand 1: Wegen der Treue, mit welcher Hand 1 der 
Vorlage folgt, lassen sich schwerlich dialektische Eigentüm- 
keiten nachweisen, die von denjenigen abweichen, die in N 
vorhanden waren. Die Form mit Langvokal von vallen (VII. 
Abl.-Reihe) ’, für die ich in Bi 3 Belege gefunden habe (veel 
Bl. 338, g(h)eveel Bl. 67b, 71b) nebst 3 Belegen mit Kurzvokal, 
kann für die Lokalisierung nicht gebraucht werden. Nach 
Sarauw ” ıst das Präteritum von vallen in gewissen Quellen 
auch vel, z. B. in der Bremer Chronik öfters veel geschrieben. 
Die Formen mit langem Vokal scheinen indessen weitere 
Verbreitung gehabt zu haben; sie kommen z. B. im Bienen- 
buch vor‘, weshalb nichts dagegen spricht, dass sie schon 
in N zu finden waren und in Lü durch Hand 2 in die ge- 
laufigeren Formen mit kurzem Vokal geändert wurden. 

Bi, Hand 2, hat der Sprache von N ein mehr gemein- 
niederdeutsches Gepräge verliehen. Belege für sal, solen, 


! Lasch, Mnd. Gram. erwähnt diese Form nicht. 

? Niederdeutsche Forschungen I (Det Kgl. Danske Videnskabernes 
Selskab. Historisk-filologiske Meddelelser V, 1. S. 181). 

® Vgl. N. O. Heinertz, Die mnd. Version des Bienenbuches von 
Thomas von Chantimpre. Lund 1906, p. XXXIX. 


64 


heuet sind seltene Ausnahmen. Im übrigen scheint dieser 
Teil der Hs eine getreue Abschrift der Vorlage zu bieten. 

Bi, Hand 3 u. 4 verraten keine dialektischen Merkmale 
über N hinaus. 

Lü, Hand 1. Das beste Bild der Sprache von Hand 1 lie- 
fern einige Stellen, die wir weder in Bi noch in den ndl. 
Hss finden, somit wohl für Interpolationen halten müssen. 
Die wichtigsten werden hier wiedergegeben: 

S. 24 (Cr. 9,32): (Helena wedder vant) vormiddelst der 
bedrouwinghe der iwoden, de ıd vort an seden vp Judas 
Machabeus, de id myt groter noet vnde bedwenghinghe moste 
apenbar doen, welkere Helena eyne moder was 

S. 48 (Cr. 33,31): (xxx1j dieten). Desse sulue Machmet de 
leet sık holden vor (lod, vnde do he vornam, dat he scholde 
steruen, do sede he, dat he na dem dode wolde vpstan vnde 
wolde to hemmel varen. Des so leet he(de) dessen vorbenomen 
tempel weluen myt seghelsten. Vnde do he ın den sarck lach, 
‚do toch de seghelsten den sark to sık an dat welffte myt dem 
lıcham etc. 

S. 57 (Cr. 41,8): (so worde ere krafft to nichte). Vnde de 
wachtere des balsamen de seden desse affgheslaghen twighe 
vnde dat se dar uth ghewynnen, dat ıs ere ghenoet. Dat uor- 
kopen se den crısten heren vnde vorsten de dar wanken. Des- 
sen balsem brınghen se hyr in dyt landt, men selden kumpt 
hir van dem besten. 

Die obigen Stellen dürften ausreichen, um die Mundart 
‚des Schreibers festzustellen. Sie war zweifelsohne Nord- 
niedersächsisch. In der Tat begnügt sich der Schreiber nicht 
damit, die ihm fremdartig klingenden Wörter und Wort- 
formen seiner eigenen Mundart anzupassen, seine Tätigkeit 
greift auch in die Phraseologie ein, wobei er allerdings nicht 
ganz konsequent bleibt. Ä 

Lü, Hand 2 folgt, wie schon erwähnt, treu der Vorlage, 
ohne eigene dialektische Eigentümlichkeiten zu verraten. 


65 


Die nd. Version N ist eine etwas gekürzte Uebertragung 
der vollständigen ndl. Fassung. Die Kürzungen bestehen 
meistenteils darın, dass der Uebersetzer hier und dort für 
die Auffassung des Gelesenen unwesentliche Wörter.oder Aus- 
drücke weglässt. Mehrere Male ist aber auch für den Zu- 
sammenhang Notwendiges übersprungen. Die für unsere 
Kenntnis von Mandevilles Person wichtige Angabe seines 
Geburtsortes fehlt in sowohl Bı wie Lü. Einige grössere 
Lücken, entsprechend etwa zwei Spalten in Cramers Aus- 
gabe, kommen im Text vor. Sie scheinen indessen nicht mit 
dem Willen des Uebersetzers entstanden zu sein, eher sind 
gleiche oder ähnliche Ausdrücke oder Worte Schuld an dem 
Uebergleiten des Auges. 

Die Hauptabweichungen der Version N von der ndl. 
Fassung sind folgende: | 

Ein Kapitelverzeichnis, wie es N gehabt haben muss, 
findet sich in den ndl. Hss nicht, wohl aber enthält I ım 
Texte Kapitelüberschriften, die jedoch von denen ın Bi und 
Lü verschieden sind. Auch in B treten ein paar mal Text- 
überschriften auf. Die in Br und S vorkommenden Inhalts- 
übersichten haben mit denen von Bi und Lü nichts zu tun. 

In den ndl. Hss sind nur 6 Alphabete verzeichnet, 
während Bi 17 und Lü 16 wiedergeben. Welche Rolle die 
Alphabete, die in den meisten Mandeville-Hss auftreten, ge- 
spielt haben, ist nicht leicht zu sagen. Ich halte es jeden- 
falls für wahrscheinlicher, dass sie ursprünglich eingefügt 
worden sind, um dem Ganzen ein zuverlässigeres Gepräge zu 
verleihen, als dass sie, wie Hamelius' es für möglich hält, 
zu geheimen Mitteilungen gebraucht vurden, also eine Art 
Chiffreschrift darstellten. Vorausgesetzt dass Mandevilles 
Reise aus der Feder des Jean d’Outremeuse geflossen ist, ge- 
nügt es, auf die von ihm bekundete Manie hinzuweisen, 


ı M. T., II: 22. 
5 


66 


seine Kompilation mit Dokumenten aller Art zu bereichern. 
In der Einleitung zu Ly Myreur, p. CLVII, hebt Bormans 
diesen Umstand hervor: »A cet effet, il rassemble les chartes, 
les paix, les diplömes et les transcrit dans sa chronique. Mal- 
hereusement, ce n’est pas pour invoquer leur autorit& et pour 
appuyer ce qu’il avance de preuves autentiques qu’il s’est 
donn& cette peine. Le plus souvent, ces actes sont tout sim- 
plement intercales dans son texte, et en bien des endroits on 
constatera que son r&cit se trouve en contradiction formelle 
avec eux.» 

Die Wiedergabe des russischen Alphabets ın Bı und Lü 
kann bei dem regen Handelsverkehr der Hanse nach Russ- 
land einem rein praktischen Zweck gedient haben. 

Für einige Lesarten in den beiden nd. Hss finden sich 
keine entsprechenden Stellen in den übrigen Mandeville- 
Manuskripten, was natürlich nicht ausschliesst, dass die be- 
treffenden Lesarten der Hs N aus ihrer ndl. Vorlage über- 
nommen worden sind. Die wichtigsten werden hier nach Bi 
angeführt: 

Cr. 6,20: (valt dar in eyne see) de heet Maere Maiora, 
vmme dat dar nene eylande jnne en lıggen. V ppe der suluen see 
lıggen Caffa vnde Constantinople etc. Dar lopt de Dunow ın 

Cr. 6,3: (see water). Ouer dyt sulue water ten ende van 
der Dunow was dar Sunte Oristoffer unsen heren ouer droech. 

Cr. 59,11: (iii7 dage de sterne to voren geseen). Vnde wo 
verne dat elk van Cassath was beseten bed ın syn land, viınt 
men wol eyn deel ın dessem boke vor vnde na gescreuen. 

Cr. 80,8: (dar wert komen). Dar aff ıst ghekomen, dat de 
balijtres monyoyen maken, dar se hılge stede seen. 

Die Einschiebsel nach Cr. 110,12 und 111,3 sind schon er- 
wähnt worden. 

Fast überall folgt die nd. Erzählung der niederländischen, 
nur einigemal finden wir bemerkenswertere Umstellungen. 
So hat z. B. die Schilderung der ägyptischen Verhältnisse 


67 


(—= Cr. 39,77—40,1) ihren Platz unmittelbar vor der Ge- 
schichte vom heiligen Anthonius (=(Ür. 38,3) erhalten. 
Ebenso finden wir die Grabinschriften (= Cr. 64,30-37) erst 
nach der Erörterung von Jesu Alter (=Cr. 65,18) und den 
Bericht über die Versteinerung von Loths Weib (= Cr. 86,36 
—-87,1ı) unmittelbar nach der Erwähnung der Äpfel, die in- 
wendig voll Asche sind (=Cr. 86,11). 

Nicht selten bedient sich der nd. Uebertrager sinnver- 
wandter Worte wegen der Prägnanz des Ausdrucks. Der 
ndl. Uebersetzer hat dieselbe Metode benutzt, indem er Ein 
frz. Wort durch zwei oder sogar drei ndl. Worte wiedergab 
(Vgl. Cr. p. LVII). Ich verzeichne hier nach Bi eine Reihe 
solcher Parallelworte: 


Or.: 5,22 ouer zee, Bi ouer see ofte ouer meer 
» 12,23 ghedestrueert, Bi gedestrueret vnde vornich- 
tıget 


» 13,21 letteren, Bi litteren ofte boekstaue 

» 18,20 figure, Bi figuren ofte staltnısse 

» 21,32 hoochtide, Bı feste vnde hochtide 

» 33,31 payene, Bi heiden ofte payenen 

» 38,19 monstrum, Bi derte ofte creature 

» 61,33 condute, Bi caduten edder rennen 

» 74,15 tumbe, Bi tumme ofte graff 

» 90,17 cysterne, Bi putte ofte kule 

» 102,28 nubiens, Bi nubi, dat sint swarte marianten 
» 110,17 trıbuut, Bi tributh ofte tyns. 

Dass die frz. Versionen auf dem Umwege über das Nieder- 
landische manches von ihrer Ursprünglichkeit eingebüsst 
hat, darf nicht Wunder nehmen. Statt Mayroche (= Ma- 
rokko) lesen Bi und Lü (eylande van) Maiorke, statt Assirien: 
Sirien, statt Romanien: Rome. Aus dem dorren Baume 
(lV’arbre sec) ist geworden Seths Baum, aus der Ebene 


I Vgl. Zarncke, Der Priester Johannes, 2. Abh. S. 127 u. Cramer, 
De Reis, S. 282. 


68 


Mageddo: (dat velt) der megeden u. s. w. Vermutlich über- 
nahm N einen beträchtlichen Teil dieser Missverständnisse 
aus der ndl. Vorlage. 

Zum Schluss ein paar Worte über den nd. Uebertrager 
und das Alter seiner Uebertragung. Wer er war, wissen wir 
nicht. Nur könnte man mit Leitung einer der Interpola- 
tionen — falls die fragliche Stelle nicht auf dıe ndl. Vorlage 
zurückgeht — versucht sein, einen Geistlichen als Ueber- 
setzer zu vermuten, denn das Einschiebsel nach Cr. 6,3 verrät 
deutlich ein religiöses Interesse. Der Sprache nach — ich 
denke besonders an die Häufigkeit der Form heuet — dürfte 
die Verdeutschung erheblich älter sein als die Hs Bi, die 
im Jahre 1430 geschrieben ist. (Lü ist, wie es scheint, jünger.) 
Wahrscheinlich wurde die Uebertragung am Anfang des 
15. Jhs. bewirkt. Die vollständige ndl. Version muss ım 14. 
Jh. gemacht worden sein, da vor 1400 geschriebene deutsche 
Hss auf ihr beruhen. Cramer versucht auf p. LXIII £. die 
Entstehungszeit der vollständigen ndl. Fassung genauer zu 


bestimmen, indem er von der zweiten Eroberung Jerusalems. 


im Jahre 1244 ausgeht. Werden dazu die 134 Jahre gelegt, 
während deren die Ungläubigen laut der ndl. Version das 
heilige Land besetzt hielten, ergibt sich das Jahr 1378, eine 
an sich nicht undenkbare Abfassungszeit. Die Vorausset- 
zung ist aber, dass der ndl. Uebersetzer absichtlich eine 
andere Zahl als die der Vorlage in seinen Text eingeführt 
hätte, was wohl kaum der Fall gewesen sein wird. Eher 
dürften die Zifferangaben hier, wie an verschiedenen anderen 
Stellen in den ndl. Versionen, verstümmelt sein. Da die Brüs- 
seler Hss 10420—5 und 11141 v17?? et xziwij lesen, ist letz- 
teres um so wahrscheinlicher. 


% * 


69 


Wie zu erwarten, bewahren manchmal die d. Hss, nament- 
lich Be und Br, die ursprünglichen Lesarten besser als die 
ndl. Ueberlieferung. Bei der Rekonstruktion des ndl. Tex- 
tes (Vgl. Cr. p. LXIV) hätte Cramer verschiedene Irrtümer 
und Mutmassungen vermieden, wenn died. Ueberlieferung zu 
Rate gezogen worden wäre. Eine Anzahl der ın den ndl. 
Hss vorhandenen Lücken werden durch die d. Hss ausgefüllt. 
Ich führe hier einige Beispiele an. Wo nicht anders bemerkt 
ist, stammen die Belege aus Be. 

In den Anmerkungen zu 5,39 bemerkt Cramer, dass fle- 
sven vielleicht schon in der frz. Vorlage mit anlautendem f 
geschrieben war. Aber Bl, Bi u. Lü schreiben Slesien. 

Während auf S. 41,14 die offenbar falsche Lesart von H 
velt, entsprechend dem frz. lieu, im Text beibehalten wird, 
(IGBeBrBlBiLüS lesen lant, land u. s. w.) ändert Cramer 
S. 89,14 die richtigere Lesart von H Helena ende Anna, Sa- 
muels des propheten moeder woonde nach der falschen 
Lesart von G ouders woonden. Sämtliche d. Hss stehen hier 
auf der Seite von H: da Helcana vnde Anna, Samiel des 
propheten moder, woonden, und zwar mit Recht, wıe aus 
dem entsprechenden lat. Text Boldenseles hervorgeht: in 
montem Ephraim altum, ubi Helcana et beata Anna, Samu- 
eliss mater, commorati sunt. 

Cr. 68,10-11 Lücke in H, die nur teilweise durch I aus- 
gefüllt wird. Be bietet: vnde in die mure van dem gasthause 
so sinre liiız die dat huis haldende sin uvnde van deisen gast- 
hause zo gane | 

Cr. 95,10 Lücke in allen Hss ausser Be: vnde in zwen 
milen na Nazareth is (Be i) de stat van Segor vp dem weige 
van Nazareth zo Acon wert. 

Cr. 124,10 Sämtliche ndl. u. d. Hss sind an dieser Stelle 
lückenhaft; Be ist, wie gewöhnlich, vollständiger als die 
übrigen: die ouerste Libie wilch lant van Libien an die 
spaensche see 


70 


Cr. 141,30 Das dem frz. lede entspr. Wort fehlt. Be (u. Bl.): 
manige Iyliche figure. 

Cr. 162,» Die d. Hss stimmen besser mit dem frz. Text 
als die zur Ausfüllung der Lücke benutzte Hs B. Br bietet: 
jinde wist dat mastic ıs dat selue uan den nüssen müsschäten. 

Cr. 168,33 Die Wortstellung der d. Hss (Br): geyt man 
van eylande zu eylande cen mere dürfte die ursprüngliche sein. 

Cr. 170,2 Lücke. Be liefert die beste Lesart, aber auch 
Br, Bl und S sind vollständiger als die ndl. Hss. Be bietet: 
in maneire van einen pater noster vnde in die manerre dat 
wir sagen pater noster und aue maria mit pater noster van 
ambre. 

Cr. 171,41 H liest dicken, von Cramer durch verdrincken 
ersetzt. Die d. Hss lesen (be)decken. 

Cr. 175,3 Lücke. (Br): inde si wennen kinder als si wir- 
ken mans werc inde 

Cr. 180,24 Nach Ergänzung durch die Hs B bietet der 
ndl. Text: also die liede daer segghen, entspr. dem frz. si 
com ıls de la cite dient. Be richtiger: als die lude van deiser - 
stat seluer sagent. 

Cr. 191,3 Lücke in H, durch B ergänzt. hors de tot subiec- 
tion wird in den d. Hss durch einen Parallelausdruck wieder- 
gegeben: eygen noch vnderdeinich. 

Cr. 216,32 Lücke. Die zu erwartenden Worte uan golde 
finden sıch in der d. Ueberlieferung. 

Cr. 218,7 Lücke, die durch die d. Hss ausgefüllt wird. 
Br liest: of andre ouch want dar is wenich dar man ın schü- 
len mach. Ä 

Cr. 223,16 Lücke, die nur teilweise durch B gedeckt wird: 
streickit sich van den bergen van Caldee oısten wert. 

Cr. 225,20 Alle ndl. u. d. Hss ausser Be lesen an dieser 
Stelle onder die gheslachten, entspr. frz. entre les moun- 
taıgnes. Be: vnder dat geberchtze. 


[B\ 


Cr. 228,7 Lücke: mer griffone dan elder. 

» 232,15 » : die ın vre sprachen heıssent parsıcast. 

» 245,2 » . Dass der ndl. Uebersetzer seine frz. Vor- 
lage nicht missverstanden hat, wie Cramer es für möglich 
hält, geht aus den d. Hss hervor. Br. bietet: sine scholt nyet 
gequist in hedde also waıl als of he in hedde willen döden. 

©. 250,11 Die Lesart von H: dat sı niet volmaect kersten 
en sıjn noch 0oc gheloue en hebben wırd von Cramer geändert 
in Uebereinstimmung mit dem frz. Text: gıls ne sotient crıs- 
tiens et qıls neyent loı parfite. Es ist aber fraglich, ob nicht 
schon die frz. Vorlage mit der Lesart von H stimmte, denn 
auch die d. Hss setzen volmaect als Bestimmung zu kersten: 
dat sy neit goide vnd volmaichde kirstene ın sin noch ouch 
gelouue ın haint. 

Cr. 261,2 Lücke. Br: dar Adam inde Yeue vnse eirste 
uader ınde müder in woren gedoın. 

Cr. 262,27 Lücke. Br: jnde zü sülcher stat heyst man se 
Ganges vmb eyns conınz wille de Gangares hies. Want si 
löuft dürch sıjn lant. Jnde dit r. 


D. Eine lateinisch-deutsche Version. 


Göttingen, Universitäts-Bibliothek, Cod. hist. 61, £ol. 
Papier. 15. Jh. Sammelhs. 489 SS. Die Hs ist von verschie- 
denen Händen in Norddeutschland geschrieben. Der Inhalt 
von S. 1—79 (in lat. Sprache) ist fast ganz aus Mandeville 
ausgeschrieben. Viele nd. Uebersetzungen sind beigegeben, 
meistens mit proprie, so z. B. (S. 48) Alpes... vocantur pro- 
prie de dudeschen berge offte de sneberge, und die Menschen 
sind dort guturosı proprie kropwalen. | 

S. weiter Verz. d. Hss im Preuss. Staate. I Hannover. 
2 Göttingen 2. Berlin 1893. S. 19 fi. 


INHALT. 


Seite 
= "VOLWOrt este 3 
Einleitunp. unserer 1) 


Die deutschen Handschriften................esesesesennonnonnnneoneene 11 
Die Uebersetzung Ottos von Diemeringen..............rsseree... 13 
Michel Velsers Uebersetzung................ess0ssoessnenonneneeenenee OL 
Uebertragungen aus dem Niederländischen ..................... 48 
Eine lateinisch-deutsche Version .........s2rs0sssnssnnnnnnnnnnnunenn 11 


AP E 
IE 


<> - 


EAN: 
u Zn 
te -—- 
Fe 


“_